Als ich wieder zu mir kam, hatte sich das Ungeheuer schon zurechtgerichtet und hatte seine Krücke unter dem Arm und den Hut auf dem Kopfe. Gerade vor ihm lag Tom bewegungslos auf dem Rasen. Doch der Mörder beachtete ihn mit keinem Blick und reinigte sein blutbeflecktes Messer mit einem Grasbüschel. Sonst war alles unverändert. Immer noch schien die Sonne unbarmherzig auf das dampfende Moor und den steilen Turm des Berges, und ich konnte selber kaum glauben, daß einen Augenblick vorher wirklich ein Mord geschehen und ein menschliches Leben vor meinen Augen grausam entzweigeschnitten worden war.

Doch nun griff John in die Tasche, brachte eine Pfeife zum Vorschein und blies darauf eine Reihe von Tönen, die durch die heiße Luft weit hinausklangen. Ich kannte natürlich den Sinn dieses Zeichens nicht, aber es erweckte sofort meine Furcht. Es würden mehr Leute kommen, ich könnte entdeckt werden. Zwei von den anständigen Leuten hatten sie schon erschlagen, würde nach Tom und Alan ich nicht der nächste sein?

Sofort begann ich, so eilig und geräuschlos ich nur konnte mich aus dem Dickicht herauszuschälen und dem offenen Teil des Waldes zuzustreben. Dabei hörte ich wie der alte Freibeuter mit seinen Gefährten Rufe wechselte und dieses Zeichen der Gefahr verlieh mir Flügel.

Sowie ich aus dem Dickicht draußen war, rannte ich wie nie zuvor, wenig auf die Richtung achtend und nur darauf bedacht, von den Mördern wegzukommen. Und während ich lief, wuchs meine Furcht mehr und mehr, bis sie sich in eine Art Irrsinn verwandelte.

Und wer konnte wahrlich sicherer verloren sein als ich? Konnte ich es wagen, sobald der Schuß vom Schiff ertönte, zwischen diesen Teufeln, die noch vom Blute rauchten, zu den Booten hinunterzugehen? Würde mir nicht der erste von ihnen, der mich erblickte, den Hals umdrehen wie einer Schnepfe? Würde nicht die Tatsache meiner Abwesenheit allein ihnen ein Beweis sein für meine Furcht und daher auch für mein Wissen von ihren Missetaten? Alles war nun vorüber, dachte ich. Lebewohl Hispaniola, lebewohl Squire, Doktor und Kapitän! Mir blieb nichts als der Hungertod oder der Tod durch die Hand der Meuterer. Indessen lief ich, wie gesagt, immer weiter und ohne es zu beachten war ich in die Nähe des Fußes des kleinen Hügels mit den zwei Spitzen gekommen und in jenen Teil der Insel gelangt, wo die Lebensbäume weiter auseinanderstanden und in der Größe und dem Aussehen mehr Waldbäumen glichen. Sie waren untermischt mit einigen zerstreuten Nadelbäumen, die fünfzig bis siebzig Fuß hoch waren. Auch die Luft roch hier frischer als unten am Sumpfe.

Doch hier brachte mich ein neuer Schrecken mit klopfendem Herzen zum Stehen.


Fünfzehntes Kapitel
Der Mann der Insel

Von der Seite des Berges, der hier steil und steinig war, hatte sich ein Stück Kies gelöst und stürzte nun polternd zwischen den Bäumen herunter. Instinktiv wandte ich meine Augen nach jener Richtung und sah eine Gestalt mit großer Geschwindigkeit hinter dem Stamm einer Fichte verschwinden. Was es war, ob Bär, Mensch oder Affe, konnte ich nicht sehen, es schien dunkel und zottig, mehr sah ich nicht, doch der Schrecken über diese neue Erscheinung ließ mich im Lauf innehalten.