Joseph schwieg.
»Und ich muß einen solchen Tropf von Angestellten haben,« schrie Tobler, außerstande, die Wut und den geschäftlichen Jammer, die ihn verzehrten, länger zurückzuhalten, »ich muß das Unglück haben, von der eigenen Frau und einem nichtsnutzigen Gehülfen betrogen zu werden. Da soll der Teufel Geschäfte machen.«
Er würde die Petroleumlampe mit der Faust zerschlagen haben, wenn Frau Tobler sie nicht glücklicherweise in diesem Moment, bevor die Hand niedersauste, etwas weiter gerückt hätte.
»Du brauchst dich gar nicht so furchtbar aufzuregen,« rief die Frau, »und zu sagen, ich betrüge dich, das verbiete ich dir. Sonst weiß ich dann auch noch, wo Vater und Mutter wohnen. Auch der Joseph verdient nicht, daß er mit Ausdrücken solcher Art beschimpft werde. Schick ihn ganz fort, wenn du dich durch ihn geschädigt glaubst, aber mach keine solche Szenen.«
Sie hatte das als »unselbständige Frau« natürlich weinend gesprochen, aber was sie sprach, das hatte seinen Eindruck durchaus nicht verfehlt, Tobler war sofort ruhig geworden, das »Gewitter« war am Vorübergehen. Er fing an, mit Joseph zu ratschlagen, was man tun könne, um sich die Kapitalien des Herrn Johannes Fischer nicht entgehen zu lassen. Morgen früh müsse sogleich telefoniert werden.
Im Leben gewisser Handelsleute spielt das Telephon eine große Rolle. Die kaufmännischen Gewaltstreiche wollen in der Regel telephonisch begonnen werden.
Schon der bloße Gedanke, daß man ja diesem Herrn Fischer morgen früh telephonieren könne, machte beider, Toblers und Josephs, Hoffnungen wieder aufleben. Wie war es denn möglich, daß, wenn man derartige Hilfsmittel zur Verfügung hatte, das Geschäft zu Schanden gehen konnte?
Und Tobler würde sich unmittelbar nach der drahtlichen Ankündigung in den Zug setzen und nach der Residenz fahren, um diesem »entflohenen Vogel« einen persönlichen Besuch abzustatten.
Die Stimme Toblers zitterte noch dunkel, als er schon längst wieder heiter und vergnügt geworden war, als habe die Aufregung innerlich weitergebrannt. Alle drei spielten noch bis in die späte Nacht hinein Karten. Joseph müsse das Kartenspiel auch lernen, hieß es, es sei einer kein rechter Mann, wenn er dieses Spiel nicht verstehe.
Am nächsten Morgen wurde, wie verabredet, telephoniert. Tobler warf sich in den Eisenbahnwagen, mit welch zuversichtlicher Miene! Abends war die Miene eine gedrückte, zornige und traurige. Das Geschäft war nicht zustande gekommen. Statt der flüssigen Gelder gab es eine neue, bittere Szene im nächtlichen Gartenhaus. Tobler saß da wie das verhaltene Ungewitter selber und gefiel sich in unschönen, gotteslästerlichen Verwünschungen. So sagte er unter anderem, seinetwegen möchte die ganze Erde in Morast versinken, das käme jetzt alles auf ein und dasselbe heraus. Er selber wate so wie so in nichts anderem mehr als in einer Unmasse von Schlamm.