Joseph kam sich wie das Ideal eines Angestellten vor, indem er das dachte. Er trug jetzt die Glaskugel ans Freie hinaus.

Da kam ihm Tobler, mit einem wahrhaft noblen neuen Anzug bekleidet, entgegen und erklärte ihm, daß er heute mit Frau und Kindern ausreisen wolle. Man könne nicht immer zu Hause sitzen, und der Frau müsse man auch einmal eine Freude gönnen. Was Joseph beträfe, so werde der wahrscheinlich, wie Tobler denke, nach der Stadt fahren, um seine dortigen Freunde aufzusuchen.

»Das laß du nur einstweilen meine Sache sein, das mit den Freunden,« gab Joseph dem Herrn im stillen als stumme Antwort zurück. Laut sagte er, nein, er wolle heute da bleiben, es passe ihm besser so.

»Das können Sie meinetwegen halten, wie Sie wollen,« sprach Herr Tobler. Ungefähr nach einer halben Stunde stand die kleine Ausflugsgesellschaft, bestehend aus den beiden Ehehälften Tobler, den beiden Knaben, dem Fräulein aus der Nachbarschaft und der kleinen Dora, reisefertig vor dem Haus, um dem an einem ziemlich weit entfernten Ort stattfindenden kantonalen Sängerfest einen halbtägigen Besuch abzustatten. Frau Tobler hatte ein schwarzseidenes Kleid an und sah beinahe imponierend darin aus. Sie empfahl Pauline Obacht über das Haus an, und zu Joseph sagte sie in gemütlichem Ton, er möge ebenfalls ein bißchen aufpassen auf alles, was um das Haus herum vorgehe, da er doch, wie sie gehört habe, zu Hause bleiben wolle.

Endlich begab man sich fort unter dem Geheul des an der Kette festgebundenen Hundes, den es bitter zu verdrießen schien, allein zurückbleiben zu müssen. Neben Joseph kauerte die Silvi, das Schwesterchen der Dora, am Boden. Dieses Mädchen schien sich nicht im geringsten über die Ungerechtigkeit, die ihr widerfuhr, zu grämen. Darin, daß allein sie von den vier Kindern dagelassen wurde, erblickte sie etwas Alltägliches. In der Tat war sie längst an allerlei Zurücksetzungen gewöhnt, derart, daß ihr beinahe schon alles Empfinden dafür abhanden gekommen war.

»Viel Vergnügen zu Hause, Marti,« hatte Tobler zu Joseph noch gesagt.

»Ja viel Vergnügen! Sorgen Sie gefälligst für Ihr Vergnügen, Herr Ingenieur Tobler,« dachte Joseph ein wenig bitter, als er es sich, mit einem Buch in der Hand, auf dem Bett, das er halb abdeckte, oben in seinem Lustgemach, bequem gemacht hatte:

»Da gehen sie, diese merkwürdigen Herrschaften Tobler, mitsamt dem sauren Engel aus der Parkettfabrik, auf vergnügliche Sängerfahrten, und die kleine Silvi lassen sie zu Hause wie ein widerwärtiges Häuflein Unrat. Diese Silvi ist nur so ein kleines Hudelchen, für das das schöne Sonntagswetter zu schade ist. Die schöne Frau Tobler mag das Mädchen nicht ausstehen, es ist ihr zu wenig schön, da muß es eben zu Hause sitzen. Und dieser Herr Unternehmer! Vor drei Tagen noch haben ihn die Wut und das Gefühl der Enttäuschung von links nach rechts und im Kreis herum geschüttelt, daß es ein Jammer gewesen ist, und heute sagt er zu mir, er wünsche mir viel Vergnügen, und ich solle in die Stadt zu Bekannten und Freunden fahren. Er fürchtet, ich würde mit Pauline, seiner Dienstmagd, anbandeln, das ist alles.«

Er gestand sich, daß er zu bitter sei und zwang sich zur Lektüre des Buches. Da ihm aber dies nicht gelingen wollte, legte er das Buch beiseite, trat an den Tisch heran, nahm seine private Feder zur Hand und einen Streifen Papier und schrieb folgendes darauf:

Memoiren.