In der That ist es unbegreiflich, wie man überhaupt ernstlich an eine Umwandlung jenes abgeschlossenen Waffenstillstandes in einen definitiven Frieden hatte denken können; die Folge wäre lediglich gewesen, daß man nach kürzester Frist sich auf dem alten Fleck befunden hätte.
Allerdings hatte sich Wißmann veranlaßt gesehen, den Waffenstillstand vorläufig auch seinerseits anzuerkennen, da er wegen der noch nicht erfolgten Ankunft der neuangeworbenen Truppen hierzu genötigt war. Außerdem wurde ein sofortiges Einschreiten gegen die Aufständischen noch durch den Umstand verhindert, daß zwei englische Missionare aus Mamboia, welche aus dem Innern nach der Küste zurückkehrten, in der Nähe derselben in die Gewalt Buschiris geraten waren und von ihm gefangen gehalten wurden. Allerdings wurden sie anständig behandelt, sollten aber nur gegen ein hohes Lösegeld herausgegeben werden. Die wegen des Lösegeldes und der Auslieferung der Missionare gepflogenen Verhandlungen führten zu einem befriedigenden Resultat, so daß die Missionare nach mehrtägiger Gefangenschaft in Freiheit gesetzt wurden. Einsicht in die Befestigungen und die wirkliche Lage des Buschirischen Lagers brachten sie allerdings nicht mit, da sie durch strengste Ueberwachung an genauerer Umschau verhindert waren.
Als nun Buschiri nach Auslieferung der Missionare das 3/4 Stunden südlich von Bagamoyo gelegene Dorf Kaule überfiel, ausplünderte und völlig zerstörte, — und als er sogar gegen einen im deutschen Dienst befindlichen schwarzen Handwerker, der in seine Gewalt gefallen war, einen Akt der empörendsten Brutalität verübte, da konnte Wißmann den Waffenstillstand als von Buschiri gebrochen ansehen.
Der Maurer Dunia nämlich hatte eines Tages nach empfangenem Lohn in der Absicht, sich seinem Arbeitsdienst zu entziehen, die Station Bagamoyo verlassen und sich zu Buschiris Leuten begeben, von welchen er zu dem Rebellenführer gebracht wurde, mit der Anschuldigung, daß er als Maurer für die Deutschen gearbeitet und so zur Befestigung ihrer Station beigetragen habe. Buschiri ließ ihm seine beiden Hände abhacken und schickte ihn nach der Station zurück mit dem Bedeuten, er solle nun weiter für die Deutschen arbeiten, Wißmann Grüße ausrichten und ihm bestellen, daß nächstens mit allen Deutschen ebenso verfahren würde. Der Mann kam thatsächlich lebend in Bagamoyo an. Er hatte sofort nach der Verstümmelung die beiden Armstümpfe fest in die Hüften gestemmt und war über Stock und Stein nach der Station gerannt. Hier wurde ihm sofort ein Notverband angelegt, dann kam er in die Behandlung eines Marinearztes, und dessen Pflege, sowie die unglaubliche, allen Negern eigene Zähigkeit und gute Heilnatur ließen ihn genesen.
Es ist von Seiten des Reichskommissariats dann in der ausgiebigsten Weise für jenes arme Opfer der Wut Buschiris gesorgt worden; allerdings ohne Erfolg, denn Dunia ist im Gegenteil einer der größten Halunken geworden.
Am 29. April traf der Dampfer »Somali« mit dem größten Teil der angeworbenen Sudanesen in Bagamoyo ein, und nun ging es nach dem Ausschiffen dieser Leute an die Bewaffnung und Unterbringung der Soldaten. Das letztere war in Bagamoyo nicht schwierig, denn dort befanden sich eine Anzahl gut erhaltener oder leicht zu reparierender Steinhäuser. 60 von den angekommenen Soldaten wurden nach Daressalam gesandt. Mit der Ankunft dieser Truppen wurde das den beiden Stationen bis in die letzte Zeit noch verbliebene Marine-Detachement zurückgezogen.
Die in Daressalam stationierte Kreuzerkorvette Carola verließ aus Gesundheitsrücksichten den dortigen Hafen, um an der äußeren Rhede vor Anker zu gehen.
Am 4. Mai kamen mit der »Martha« die übrigen angeworbenen Sudanesen und das europäische Offizier- und Unteroffizier-Personal in Bagamoyo an. Am 6. Mai trafen auch die Zulus unter Lieutenant Ramsay vom Süden ein. Es stand nun dem Reichskommissar, welcher seiner Schutztruppe gegenüber den Titel Kommandant führte, nach Eintreffen des gesamten Personals und nach Übernahme einzelner Herren von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft folgendes Europäer-Personal zur Verfügung:
Chefs der Schutztruppe: Frhr. v. Gravenreuth, Dr. Schmidt (Schmidt I), v. Zelewski, Krenzler, Frhr. v. Eberstein, Rochus Schmidt (Schmidt II), Richelmann, Theremin, (Leue trat später hinzu).
Lieutenants der Schutztruppe: v. Bülow (später hinzugetreten nach erfolgter Rückkehr aus Europa), Ramsay, Böhlau, End, Sulzer, Johannes, Merker, v. Behr, Dr. Bumiller, v. Perbandt, v. Medem, Radatz.