[1] Verlag von Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a. O. 1891.
4. Kapitel.
Die ersten Kämpfe um Bagamoyo, Daressalam, Pangani, Tanga und Sadani.
Einrichtung des Spionendienstes. — Angriff und Einnahme von Buschiris Lager bei Bagamoyo und Operationen daselbst. — Streifzüge des Verfassers um Daressalam. — Beerdigung der ermordeten Missionare in Pugu. — Verhältnisse in Sadani. — Bombardement von Sadani. — Einnahme durch die Schutztruppe. — Einnahme von Pangani und Stationsgründung daselbst. — Einnahme von Tanga. — Errichtung eines Forts in Tanga. — Streifzug Gravenreuths gegen die Jumbes in der Umgegend von Bagamoyo. — Verhältnisse auf den neu gegründeten Stationen.
Unmittelbar nach der Ankunft der Truppen ließ Wißmann dem Führer der Rebellen den Waffenstillstand, der ja von ihm in frevelhafter Weise gebrochen war, aufkündigen und ihm sagen, daß er ihn in den nächsten Tagen angreifen würde. Die Antwort Buschiris lautete, er würde die Deutschen bestens empfangen.
Die Bestrafung zweier Leute, welche der Spionage gegen uns für die Interessen Buschiris überführt worden waren, mit dem Tode durch den Strang hatte Wißmann natürlich bis zur Auslieferung der Missionare aufgeschoben.
Bis zur Ankunft Wißmanns hatten nur die Rebellen ihre Spione, welche sie so geschickt ausgewählt und organisiert hatten, daß sie stets mit den genauesten Nachrichten über unsere Mittel und Absichten versehen waren, während die Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft im großen und ganzen auffällig spärlich mit Nachrichten versehen waren. Wißmann erkannte gleich am ersten Tage seiner Ankunft auf dem Festland, daß auf unserer Seite viel zu wenig auf den Spionendienst gehalten war und gab daher zur Einführung einer ordentlichen Spionage die betreffenden Anweisungen, indem er zugleich Gelder zur Verfügung stellte.
Die Spionage ist etwas in Afrika durchaus Notwendiges und Selbstverständliches. Der Europäer muß Gewicht darauf legen, unter den Eingeborenen zuverlässige Personen zu finden, die er zur Einziehung von Nachrichten benutzen kann, indem er nötigenfalls auch die einzelnen Leute gegenseitig ausspielt und so kontrolliert.
Die durch Wißmann eingeführte bessere Ausbildung des Spionendienstes hat sehr viel zu unseren Erfolgen beigetragen. Bedauerlicher Weise wurden, wie ich vorweg bemerken muß, im letzten Jahre vom Gouverneur von Soden unter vollkommener Verkennung der afrikanischen Verhältnisse aus Sparsamkeitsrücksichten selbst nach der Zelewskischen Katastrophe nicht die nötigen Mittel hierfür zur Verfügung gestellt, und wenn einmal wirklich Gelder zum Halten von einem oder einigen Spionen bewilligt wurden, so geschah dies nur nach bogenlangen Berichten, welche es den Offizieren und den dem Gouverneur unterstellten Beamten fast verleiden konnten, derartige im Interesse des Ganzen liegenden Anträge zu stellen. Diese Sparsamkeit ist übel angebracht und in Wirklichkeit häufig eine Verschwendung. Denn auf ein paar Tausend Rupies im Jahre kann es nicht ankommen, wenn man sich dadurch eine genaue Kenntnis dessen, was unter den Eingeborenen im Geheimen vorgeht, ihrer Absichten und ihrer Gesinnung gegen uns verschaffen kann.
Nachdem der Reichskommissar die Vorbereitungen zum Beginn der Operationen gegen die Aufständischen bereits am 4. Tage nach Eintreffen des Transportdampfers »Martha« auf der Rhede von Bagamoyo beendet hatte, beschloß derselbe nach erfolgter Verständigung mit dem Chef des Kreuzergeschwaders, Herrn Admiral Deinhard, sofort zum Angriff überzugehen. Ein möglichst rasches offensives Vorgehen bot in erster Linie eine Aussicht, gegen die vorwiegend auf Terrorismus gestützte Macht des Rebellenführers Buschiri einen entscheidenden Schlag zu führen, seinen Einfluß auf die Bevölkerung zu beeinträchtigen und die durch fortgesetzte feindliche Streifzüge sehr gehemmte Aktionsfähigkeit wieder zu erhöhen.
Eingezogene Nachrichten hatten ergeben, daß Buschiri, nachdem er in den letzten Monaten sein Lager mehrfach gewechselt, nun in einem stark befestigten Hauptlager in der Richtung landeinwärts von Bagamoyo, 1-1-1/2 Stunden von diesem Platz entfernt, alle seine Kräfte vereinigt habe. Der waffenfähige Anhang Buschiris wurde auf 6-800 Mann angegeben.