Der Kommandant, welcher sich bei der Avantgarde befand, erteilte nun sofort die Befehle zum Angriff. Demzufolge nahm die Artillerie Aufstellung in der Linie der Askaris, welche, bis auf 600 m ans Lager herangekommen, ausschwärmten. Links von den Askaris befand sich die Abteilung Gravenreuth. Zelewski erhielt Befehl, rechts vom Wege abzubiegen und die linke feindliche Flanke zu umfassen, also nach der örtlichen Lage die Boma von Osten her zu umgehen. Dr. Schmidt sollte links abbiegen und die Umgehung der Boma von Westen her bewerkstelligen. In dieser Formation war man, die Artillerie eingeschlossen, bis 250 m an das Lager herangekommen. Die Marine-Abteilung befand sich dicht hinter den Askaris und der Artillerie.
Als die Truppen in dieser Ordnung bis auf etwa 200 m an die Boma herangekommen waren, wurde von Seiten der Rebellen ein heftiges Feuer aus Gewehren und einigen alten, mit Eisenstücken geladenen Böllern auf die Angreifer eröffnet. Zufällig kam zu gleicher Zeit aus dem Lager der überall bekannte weiße Buschirische Reitesel in Sicht und Wißmann, in der Absicht, den wohlbeleibten Buschiri dieses bei seiner Körperfülle sehr notwendigen Fluchtmittels zu berauben, gab einen Schuß auf den Esel ab. Dieser Schuß bildete unwillkürlich das Signal zur Eröffnung des Feuers auf der ganzen Linie; in der Front stand Gravenreuths Abteilung im 1. Treffen, während im 2. Treffen die Marine das Feuer ebenfalls eröffnete; als Wißmann bat, das Feuer des 2. Treffens einzustellen, da das 1. Treffen ihm dadurch gefährdet erschiene, wurde ihm von der Marine entgegengehalten, daß mit dem 600-meter-Visir von dieser geschossen werde.
Das feindliche Feuer richtete sich besonders auf eine kleine Anhöhe, wo Wißmann mit seinem Stabe bei der Artillerie Stellung genommen hatte, so daß dort, trotzdem die Aufständischen im allgemeinen recht schlecht zielten, einige Verluste in unmittelbarer Nähe des Reichskommissars, der für seine Person der Mahnung, sich nicht unnütz zu exponieren, kein Gehör schenkte, erlitten wurden.
Als der Kommandant durch anhaltendes Geschütz- und Gewehrfeuer den Feind hinlänglich erschüttert zu haben glaubte, gab er das Zeichen zum Aufpflanzen des Seitengewehrs und zum Sturm. Die Abteilung Gravenreuth drang zuerst in die Boma ein, allen voran Lieutenant Sulzer.
An der Spitze der Marineabteilung überklomm Lieutenant Schelle, ohne erst Bresche reißen zu lassen, die Pallisaden. Hierbei erhielt er eine Kugel in den Unterleib und erlag bald darauf dieser schweren Verwundung.
Herr von Gravenreuth war mit seiner Abteilung an der linken Flanke der Front eingedrungen, die Marine hingegen zugleich mit den Askaris unter Eberstein direkt in der Front, und zwar wurde nach dem Fall Schelles Bresche gerissen und drangen die Marinetruppen an dieser Stelle Mann hinter Mann durch die Bresche in die Boma, während Herr v. Eberstein mit den Askaris eine bei der Bresche befindliche Thür einrannte und durch diese ziemlich geschlossen mit seinen Leuten hineinkam.
Es ist damals ein sehr häßlicher Streit über die für die Sache natürlich ganz gleichgiltige Frage ausgebrochen, wer der erste in der feindlichen Boma gewesen sei. Von Seiten der Marine wurde der gefallene Lieutenant Schelle gemeldet; vom Reichskommissar der Lieutenant Sulzer. Dem Verfasser, der bei der Aktion gegen Buschiri nicht dabei gewesen ist, ist von verschiedenen Herren versichert worden, daß nicht nur Sulzer, sondern auch v. Gravenreuth und ein großer Teil der Soldaten von Gravenreuths Abteilung in der Boma, ja sogar in den dort befindlichen Hütten der Rebellen schon gewesen seien, als von der Frontseite her die Marine erst eindrang. Selbstverständlich ist die Meldung der Marine, daß Lieutenant Schelle der erste im Lager gewesen sei, in gutem Glauben erfolgt und ist dadurch zu erklären, daß wegen der im Innern der Boma errichteten Hütten und wegen der in solchen Momenten erklärlichen Aufregung das vorher erfolgte Einrücken Gravenreuths nicht gesehen wurde. Bedauerlich aber bleibt die Eifersüchtelei, welche zu jener Zeit zwischen Marine und Schutztruppe bestand. Obgleich sich die Offiziere der letzteren und auch viele Marineoffiziere redliche Mühe gegeben haben, dieselbe aus der Welt zu schaffen, besteht sie, wie dem Verfasser scheinen will, bis in die neueste Zeit hinein fort. Die Herren der Marine bedenken hierbei nicht, daß mit Beendigung der Blokade nach Übernahme des Reichskommissariats durch Wißmann ihre Aufgaben am Lande, denen sie sich ganz gewiß, wie von allen anerkannt wird, mit Eifer unterzogen haben, beendigt waren. Nur vereinzelt haben später Marinemannschaften die Operationen des Reichskommissars unterstützt, natürlich nur an der Küste oder in unmittelbarster Nähe derselben, wie hier bei Bagamoyo, dann bei Sadani, Pangani, Mkwadja. (Nur Tanga ist, worauf wir noch kommen werden, durch die Marine allein erobert worden.)
Beim Einrücken der Unsrigen in die Boma wagte nur ein Teil der Feinde noch standzuhalten und aus den Hütten im Innern der Befestigungen heraus zu schießen, wo sie dann teils niedergemacht, teils gefangen genommen wurden. Das Gefangennehmen freilich wollte nicht immer gelingen, da die Zulus, welche erst zwei Tage vorher eingetreten waren, gar nicht verstehen wollten, wie man einen überwältigten Feind schonen könne, statt ihn sofort zu tödten; so haben denn auch die Zulus vielen von den Rebellen, welche sich im letzten Augenblick ergeben wollten, durch ihre Seitengewehre den Garaus gemacht.
Von den Freiwilligen der Waniamuesi und den Askaris wurden die Zulus bei der Plünderung des Lagers in würdiger Weise ergänzt. Im großen und ganzen aber waren alle, welche die neue farbige Truppe während des Gefechts beobachtet hatten, im Lob derselben einig. Nirgends war weder während des Feuerns noch beim Sturm das geringste Zaudern eingetreten.
Die Umgehung des Lagers, welche die Abteilungen Dr. Schmidt und v. Zelewski bewerkstelligen sollten, war nicht gelungen, da besonders Zelewski wegen des weiten Umweges, den er mit seinen Soldaten zu machen hatte, nicht zur rechten Zeit am Lager sein konnte. Es gelang daher dem größten Teil der Rebellen durch die Lücke zwischen den beiden von der Flanke anrückenden Abteilungen durchzukommen, wobei sie allerdings von der Abteilung Dr. Schmidt noch wirksam beschossen wurden.