Dies konnte nur durch eine Landung mit der gehörigen Truppenmacht geschehen. Wißmann war allerdings nicht in der Lage, damals schon vor der Einnahme von Pangani und Tanga Sadani dauernd zu besetzen, da seine Truppen für den nördlichen Küstenstreifen notwendig gebraucht wurden, aber er wollte mit der Züchtigung von Sadani noch den Zweck verbinden, durch einen entscheidenden Schlag gegen Bana Heri die Rebellen in Pangani einzuschüchtern und dadurch zu Friedensverhandlungen geneigter zu machen, zumal ihm von der Reichsregierung anempfohlen worden war, auf solche einzugehen. Wie wir später sehen werden, befand sich unter der Bevölkerung von Pangani eine Partei, die zum Frieden mit den Deutschen riet und diesen dringend wünschte.

Als Operationstag gegen Sadani wurde der 6. Juni festgesetzt. Tags zuvor wurden alle irgendwie entbehrlichen Truppen, im ganzen 500 Mann, unter den Chefs v. Gravenreuth, v. Zelewski, Krenzler und dem Verfasser, der von Daressalam herübergekommen war, mit zwei Geschützen auf dem von der Marine gecharterten Dampfer »Cutch« in Bagamoyo eingeschifft. Am 6. Juni früh begann seitens des Geschwaders, welches außer dem »Cutch« aus der »Möwe«, die solange Sadani blokiert hatte, »Leipzig«, »Schwalbe« und »Pfeil« bestand, die Beschießung der gegnerischen Befestigungen; während derselben zogen sich die Rebellen in die südlich gelegenen dichten Gebüsche zurück.

Als das Feuer der Kriegsschiffe schwieg, eröffneten die mit Revolverkanonen armierten Pinassen, welche das Expeditionskorps, jede drei oder vier Boote hinter sich schleppend, ans Land brachten, ein wirksames Granatfeuer.

Da der Strand von Sadani sehr flach zuläuft, mußten wir von den Booten aus noch eine längere Strecke durch das Wasser waten unter dem Feuer der Feinde, welche mittlerweile aus den Gebüschen heraus an den Strand geeilt waren, um unsere Landung zu verhindern. Dabei erhielt Unteroffizier Bilke einen Schuß durch den Arm und Lieutenant von Medem und einige Farbige wurden leicht verwundet, — der Verlust der Aufständischen soll sich nach ihren eigenen, freilich sehr unsicheren Angaben, auf 105 Tote belaufen haben. Chef von Zelewski führte den linken Flügel, Gravenreuth den rechten, der Verfasser das Centrum, das aus zwei Kompagnien unter den Herren von Perbandt und Sulzer und dem geschlossenen Trupp der deutschen Unteroffiziere unter Lieutenant v. Sivers bestand.

Während Gravenreuth Sadani selbst angriff und das Terrain hinter demselben säuberte, gingen die Abteilung Zelewski und die des Verfassers dem Befehl gemäß südlich des Dorfes durch die Büsche und Mangrove-Sümpfe vor, ohne sonderlichen Widerstand zu finden. Ziemlich das einzige Unglück, das passierte, war, daß dem Verfasser seine Schuhe und Strümpfe im Sumpfe stecken blieben und er so das Vergnügen hatte, den ganzen Tag barfuß durch die Dornen und den heißen Sand zu laufen.

Im Westen der Sümpfe hatten sich die Feinde zum Teil wieder gesammelt, doch wurden sie durch meine ausgeschwärmte Abteilung und das Feuer des Maxim-Guns unter Lieutenant Böhlau schnell in die Flucht gejagt. Bald darauf traf Zelewski, der weiter südlich die abziehenden Feinde beschossen hatte, beim Verfasser ein, während Wißmann mit der Gravenreuthschen Abteilung die Gegner noch in der Richtung auf Ndumi verfolgte und die Landungscorps der Marine im Norden Sadanis die Feinde verjagten. Die Befestigungen wurden zerstört, der Ort geplündert und eingeäschert.

Bei solchen gemeinsamen Plünderungen, wie sie bei Sadani, Pangani, erfolgten, kamen öfters unsere Marinesoldaten mit ihren schwarzen Waffenbrüdern in der Schutztruppe in Streitigkeiten um den Raub, und derartige kleine Zwistigkeiten wurden, wie schon erwähnt, dann tragischer aufgenommen, als sie es verdienten.

Nachdem wir kurze Rast gehalten und von dem, was wir mitgenommen oder erbeutet, gefrühstückt hatten, schifften wir uns wieder auf dem »Cutch« ein, aber nur um gleich darauf wieder 3 Stunden nördlich von Sadani bei Uwinje zu landen, wo sich eine Schamba Bana Heris und feindliche Befestigungen befanden. Auch dieser Platz wurde nach geringem Widerstand genommen und zerstört; die dort liegenden Dhaus, welche den Aufständischen Waffen und Munition zugeführt hatten, wurden verbrannt. Wir hatten bei Sadani und Uwinje zusammen 2 Tote und 9 meist leicht Verwundete. Die hierauf folgende Nacht wurde an Bord des »Cutch« in heiterster Laune verbracht, und am nächsten Tage ging es wieder zurück nach Bagamoyo.

Es wurde nun vom Reichskommissar die Operation gegen Pangani vorbereitet. An der Spitze der Friedenspartei daselbst stand der Araber Said Hamedi, ein alter Mann, der erstens keine Lust hatte, sich in einen Krieg mit uns einzulassen, auch vorher die Beamten der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft gegen die aufgeregten Volksmassen geschützt hatte, und der sich andrerseits wohl bewußt war, daß er, dessen Reichtum an der Küste ein großer war, nur an seinem Besitztum verlieren könne, wenn die Rebellen unterlägen. Ebenso dachten viele der begüterten Araber und der reichen Suaheli von Pangani.

Die Rebellion daselbst wurde indes durch die besitzlosen Araber und Belutschen, welche bei der Unsicherheit der Verhältnisse nur gewinnen konnten, geschürt und die kritiklose Masse der Eingeborenen so mit fortgerissen.