Nach seinem Eintreffen berichtete Chef von Zelewski, daß er auf seinem Marsche bis nach Mandera, der Südgrenze Useguas, alles friedlich gefunden habe. Von da ab habe er fünf zum Teil stark befestigte Dörfer unter Verlust von zwei Toten und fünf schwer Verwundeten eingenommen. Der Feind habe große Verluste gehabt und flüchte nach Norden.
Die Hilfstruppen hatten ebenfalls Gelegenheit gefunden, an einzelnen Plätzen einzugreifen. Sie waren auch, wie sich allerdings erst später herausstellte, auf die im folgenden zu erwähnende Boma Bana Heris in Mlembule gestoßen, dort aber zurückgeschlagen worden. Da ihnen diese Stellung der Rebellen zu stark erschien, als daß sie annahmen, dieselbe würde von uns genommen werden, und da sie sofort das Hasenpanier ergriffen hatten, glaubten sie am schlauesten zu handeln, wenn sie überhaupt über diese Befestigung nichts verlauten ließen. So blieb uns, da auch Zelewski selbst nichts von jener Stellung Bana Heris erfuhr, dieser überaus feste Stützpunkt und die darin befindliche bedeutende Macht vor der Hand gänzlich verborgen. Der letztere Umstand wirkte zur Ausführung einer Maßregel mit, welche sich später als Mißgriff erwies.
Die Nachricht, daß Sadani von Bana Heri und seinen Leuten wieder besetzt sei, hatte sich als falsch erwiesen; ein kaum nennenswerter Widerstand war hier gefunden worden. Das Lager von Mlembule blieb in Folge der Dummheit der Irregulären unbekannt. Ein großer Teil des Handels mußte naturgemäß jetzt statt nach Sadani nach Mkwadja gehen und so beschloß der Reichskommissar, statt Sadani den letzteren Platz zu besetzen. Chef Freiherr von Gravenreuth sollte mit der Kompagnie, die am 8. in Sadani gelandet war, und den Wassukuma die Küste entlang nach Mkwadja marschieren, und Zelewski mit seinem Expeditionskorps, das von 48 Stunden 32 marschiert und gefochten hatte, am nächsten Tage dorthin folgen, während der Kommandant selbst beabsichtigte, nach Erledigung der in Sansibar und Bagamoyo seiner harrenden Arbeiten am 13. November nach Mkwadja zu kommen. Für die Besetzung dieses Ortes sprach noch der Umstand, daß von Mkwadja ein starker Schmuggel nach Sansibar und Pemba hin betrieben wurde.
Der Marsch Gravenreuths ging, da die Dörfer an der Küste alle verlassen waren, von Sadani aus in friedlichster Weise von statten. Schwierig indes war das Passieren der vielen sich zwischen Sadani und Mkwadja von der Küste ins Land hineinziehenden Creeks. Die beiden ersten derselben konnten durchwatet werden, während ein dritter Creek, der sich unmittelbar südlich von Mkwadja befindet, größere Hindernisse bot. Eine vorausgesandte Patrouille unter dem Chef Frhrn. von Bülow und Premierlieutenant Böhlau versuchte den Creek zu durchschwimmen, aber sowohl die beiden genannten Offiziere, wie auch einige Askaris wurden durch den starken Strom ins Meer hinausgetrieben und nur der großen Schwimmfertigkeit der betreffenden gelang es, das Land wieder zu erreichen; ein Askari ertrank. Erst beim Eintritt von Niedrig-Wasser konnte der tiefe und breite Creek passiert werden.
Unmittelbar darauf wurde von der Kompagnie unter Gravenreuth der Ort Mkwadja, in dem sich einige Araber festgesetzt hatten, welche die Spitze der Expedition mit einem anhaltenden Feuer empfingen, genommen und die Aufständischen daraus vertrieben. Die Befestigungsarbeiten in der Station wurden sogleich in Angriff genommen und durch die thatkräftige Unterstützung der Marine unter dem liebenswürdigen, stets entgegenkommenden Kapitän Voß sehr gefördert. 60 Mann von der Schutztruppe unter dem Kommando des Chefs von Bülow, der sechs Wochen später durch Lieutenant von Perbandt ersetzt wurde, blieben als Besatzung zurück.
Schon vor dieser Zeit hatte von Pangani aus, wo um die englische Missionsstation Magila herum eine große Ansammlung von Rebellen stattgefunden hatte, der dortige Stations-Chef Dr. Schmidt einen siegreichen Vorstoß unternommen. Nachdem er sich durch Kundschafter über die örtlichen Verhältnisse genau informiert, hatte er mit 100 Mann das Rebellenlager, welches nach den Angaben der Eingeborenen 1000 Mann in sich bergen sollte, durch einen überraschenden Bajonettangriff genommen und die Gegner mit einem Verlust von 30 Toten geworfen, während diesseits nur Verwundungen zu verzeichnen waren. Dieser Erfolg wirkte bestimmend auf die Bewohner des Hinterlandes von Pangani ein, die von nun an ihren Vorteil darin sahen, zur Station zu halten. Auch Simbodja, der durch die Gefangennahme des Dr. Meyer und Baumann bekannte, mächtige Häuptling im Hinterlande von Pangani, hatte seine Absicht kund gegeben, sich dem Reichskommissar zu unterwerfen.
Buschiri war durch den Erfolg Gravenreuths bei Jombo vollkommen isoliert worden. Die Mafiti, welche bis dahin fest an einen Sieg Buschiris geglaubt und nun seinetwegen so starke Verluste erlitten hatten, außerdem ihren beim Einfall in Usaramo gemachten Raub nicht einmal hatten in Sicherheit bringen können, waren seine Feinde geworden und er mußte versuchen, sich ihrer Rache zu entziehen.
Buschiri wandte sich zunächst nordwärts und hielt sich in Nguru versteckt. Während dieser Zeit gelang es uns nicht, irgend welche sicheren Nachrichten über seinen Aufenthalt zu erhalten. Es wurde bereits die Befürchtung laut, es könne ihm gelungen sein, unter Umgehung von Mpapua nach Tabora durchzukommen, um hier den Widerstand der Araber gegen uns zu organisieren. Da plötzlich traf in Pangani die Nachricht ein, Buschiri wolle sich mit Bana Heri und dem Häuptling Simbodja verbinden und mit diesen die Station Pangani angreifen. Diese Nachricht wurde durch den uns freundlich gesinnten Häuptling Mohammed Soa dahin berichtigt, daß Buschiri sich in Muenda an der Grenze von Nguru mit den noch bei ihm gebliebenen Arabern und 50 Eingeborenen in einem Lager verschanzt, und daß er zu Simbodja Boten gesandt habe, um diesen zu einem gemeinsamen Vorstoß gegen die Küste zu überreden. Der Stationschef von Pangani, dessen Thätigkeit die überaus schnelle und günstige Entwickelung der Verhältnisse um Pangani insbesondere zuzuschreiben ist, erkannte, daß, wenn Buschiri im Hinterlande einen Stützpunkt für seine Pläne fände, die größte Gefahr vorhanden sei, daß alles bisher Erreichte mit einem Schlage wieder vernichtet würde.
Um dieser Gefahr vorzubeugen, setzte Dr. Schmidt ein Expeditionskorps aus der Stationsbesatzung zusammen und brach mit diesem am 2. Dezember in Eilmärschen von Pangani auf, um Buschiri den Weg nach Masinde zum Häuptling Simbodja zu verlegen. Nach zwei Gewaltmärschen kam die Expedition im Dorfe des Häuptlings Masiro an, welcher Buschiri mit Lebensmitteln unterstützt und ihm einen Esel geschenkt hatte. Das Dorf wurde zerstört und der Weitermarsch nach Muenda fortgesetzt. Kurz vor diesem Platz machte Schmidt Halt, erteilte dem Lieutenant Ramsay den Befehl mit einem Teil des Expeditionskorps das Lager nach Westen hin zu umgehen und von der Westseite aus dann gegen dasselbe vorzudringen, während er sich selbst mit dem Gros des Expeditionskorps an der Ostseite hielt.
Der Angriff wurde für Mitternacht festgesetzt. Niemand sollte außer im äußersten Notfall einen Schuß abgeben, jeder Lärm, jedes Geräusch sollte vermieden werden, um die Überrumpelung möglichst vollständig zu machen. Dr. Schmidt drang mit den Askaris von der Ostseite ein. Diese hatten den Befehl, sofort auf die durch Ortskundige gezeigte Hütte Buschiris vorzudringen und diesen hierin festzunehmen. Aber ein planloses Schießen der Askaris warnte den Rebellenführer und gab ihm abermals Gelegenheit, noch im letzten Momente zu entkommen. Ohne die von Dr. Schmidt aufs strengste verbotene Schießerei wäre der Coup vollkommen gelungen und Buschiri schon damals in unsere Hände gefallen. Von den eindringenden Truppen wurden die Leute im Lager, soweit sie nicht im letzten Augenblick noch entflohen waren, niedergemacht, und es zeigte sich am nächsten Morgen, daß der Feind 28 Tote, darunter viele Araber auf dem Platze gelassen hatte. Von unserer Seite wurde ein Zulu und zwei Suaheli leicht verwundet.