„Fräulein,“ erwiderte Meister Nonnenbruch, „davon verstehe ich nichts. Sie müssen zu einem Juwelier gehen.“
Am nächsten Tag erzählte das Fräulein:
„Ich hab den Juwelier gefragt. Wissen Sie, wie hoch er den Ring schätzt? Drei Mark. Wissen Sie aber auch, was ich getan habe? Meinem Schatz hab ich gesagt: „Du,“ hab ich gesagt, „ich hab deinen Ring verkauft – unter Garantie – für fünfhundert Mark.“ – Da ist der falsche Kerl fein blaß worden. – „Und dann,“ sag ich, „hab ich meine Schneiderrechnung davon beglichen. Kaum hab ich sie beglichen, da kommt der Käufer wieder und nennt mich eine Betrügerin und will seine fünfhundert Mark – der Ring wär unecht – sonst bringt er mich ins Gefängnis. Ich fürcht mich nicht vor dem Gefängnis. Ich sag vor Gericht einfach, von wem ich den Ring hab – und er muß echt sein.“ – Da ist mein Schatz, der falsche Hund, ganz kreideweiß geworden und hat sein Tascherl zogen und hat mir fünfhundert Mark geschenkt.“
*
Studierte da ein junger Mann aus Jüterbog in München; hatte daheim im Norden einen Onkel sitzen, bezog eine Rente von ihm und lebte in München frisch und froh.
Plötzlich ein schrecklicher Umschwung: dem Onkel dort oben war des lieben Neffen Studium allgemach zu lang geworden, die Geldansprüche gar zu hoch – der Onkel machte kurzen Prozeß und stellte die Rente ein.
Was tut man in solchem Fall? Man schreibt dem Onkel einen herzbeweglichen Brief.
Und der Junge tat es. Schrieb: wie dankbar er dem lieben Onkel allzeit wäre – wie fleißig er studiert hätte, wie weit er es gebracht – und jetzt grade, im letzten Augenblick, wolle der liebe Onkel ihn verlassen? Jetzt, wo der begabte Neffe sich schon einen Namen in München gemacht habe, wo er mit den Berühmtesten verkehre, mit Kaulbach, Grützner, Stuck und Defregger?
Der Oheim hörte es gern – nur glaubte er es nicht recht; und fuhr augenblicks von Jüterbog nach München, um sich von seines Neffen Ruhm zu überzeugen.