Verdauung – innerliche Verarbeitung von Nahrungsmitteln zum Zweck der Aufnahme in das Blut. In übertragenem Sinn: das Hinwegkommen über die Eigenschaften der Zeitgenossen. Der Verdauung dient der sogenannte Verdauungsapparat, zu dessen Reparatur umfangreiche Werkstätten bestehen. Abgerissene Hosenknöpfe und eine schlechte Verdauung geben direkten Anlaß zur
Verlobung – der plötzlichen Überleitung einer Liebschaft in reguläres Fahrwasser. Die Verlobung kann geschehen a) zum Zweck einer nachfolgenden Ehe oder b) (häufiger) behufs einer spätern Entlobung. Jedenfalls bietet die Verlobung ein kurzes, durch Ausflüge und Abendmähler ausgefülltes Übergangsstadium, dessen ohnehin labiles Gleichgewicht nicht durch übertriebene Intimitäten gestört werden sollte.
Volontär – ein Mann, der es eigentlich nicht nötig hat und sich dementsprechend benimmt.
W., die drei (Frauen, Sekt und Tiergartenviertel) – der Stoff für den modernen Berliner Roman.
Waisenkind – dasjenige, wofür.
Walzer – Rotation zweier verschlungener Menschenkinder um eine ideale Vertikalachse – nach dem Takt einer vom Komponisten irgendwo entlehnten Weise. (Siehe: Mtata!)
Wanze, die – Ehrenmitglied der Hotelfauna, Insekt mit je sechzehn Schneidezähnen in Ober- und Unterkiefer. Männliche Wanzen haben überdies Hauer. Das Jahr über schlummern die Wanzen, von den Einheimischen wenig beachtet, in ihren Lagern; zu Beginn des Sommers leben sie auf, wetzen die Rüssel und stürzen sich auf die Gäste. Das Necken der Tiere ist verboten.
Watschen – volkstümliche Bezeichnung für heftige Meinungsäußerungen, die, insbesondre wenn sie in einen Dialog ausarten, von rechtlichen Folgen begleitet sein können.
Weißwürscht – mit Vegetabilien und angeblich auch zerkleinertem Kalbfleisch gefüllte bleiche Rotationsellipsoide, die in Bayern am Schluß von Faschingsabenden gierig verzehrt werden.
Xang – eine von ältern weiblichen Vereinsmitgliedern verursachte Luftvibration, die sich sphärisch fortpflanzt und glücklicherweis in quadratischem Verhältnis mit der Entfernung von der Schallquelle an Intensität verliert. Man entschuldige sich vorweg mit einer Abhaltung und komme erst gegen eins, wenn der Xang vorbei ist. Gleichwohl soll uns auch dann nichts hindern, Dankbarkeit zu heucheln, wenn wir im Verlauf des Abends mit der Sängerin zusammenstoßen. Kluge Jünglinge, die in diese Notlage geraten, ohne die leiseste Ahnung vom Programm zu haben, vermeiden tunlichst ein Eingehen aus Details, tipen aber im äußersten Fall auf Brahms.