Im übrigen ein herzensguter Kerl, ein treuer, hilfsbereiter Kamerad.

Nur von Politik und sozialen Fragen durfte man mit ihm nicht reden; da überschrie er sich vor Eifer. Und weil man seine schwache (oder stärkste?) Seite kannte, verbot man ihm den Gegenstand; verbot ihm jede Silbe darüber: am Majorstisch im Café Stefanie, auf der Halbeschen Kegelbahn, in Wedekinds Torggelstubenecke.

„Hüte dich vor Menschen, die nur ein Buch gelesen haben.“ – Ich glaube, Tolstoi hat Mühsams Strudelkopf verdreht. Mühsam begann in Versammlungen zu reden, er scharte den ‚fünften Stand‘ um sich: die Landstreicher, Zuhälter, Verbrecher, Päderasten. Er soll sehr gut geredet haben, gewandt und glühend. Und redete sich, der Tepp, um Verstand und Güte. Es erwies sich, daß die Polizei doch rechtbehielt: Erich Mühsam ward gefährlich.

— — — An jenem Novembertag 1918 also saß ich im Café Stefanie und spielte Schach mit Mühsam. Für drei Uhr war Versammlung auf der Theresienwiese angesagt.

Ich fragte Mühsam noch: was die Versammlung wolle?

„Ach, nichts,“ erwiderte er mürrisch. „Die Menschen sind ja so dumm...“

Dann bot ich Schach und hätte Mühsams König in drei Zügen mattgesetzt, wenn nicht...

...wenn nicht Bruno Frank gekommen wäre. Er verschleppte meinen Mühsam in die Nische des Cafés, in den ‚Kuhstall‘. Dort tuschelten sie heftig.

Dann gingen sie zusammen nach der Theresienwiese.

Auf der Wiese sprach Eisner zu den Massen.