Inter arma silent Musae. (Übersetzung für malende, der lateinischen Sprache also unkundige Leute: ‚Zwischen Waffen schweigen Musen.‘) Kunst gedeiht im Frieden, in ruhigem, behäbigem Wohlstand. – Krieg, Kriegsgefahr, Wirren und Wahlen – Erhitzungen der Volksseele – machen das Thermometer des Kassenrapportes sinken. Die Kunst läßt erhitzte Bürger kalt.

Ein milder Absolutismus, eine mit demokratischem Fett geölte, geräuschlose Staatsmaschine dient der Kunst am besten. Der Protz als Mäzen, Bürger und Edelmann als Genießer, der Arbeiter als halb zufriedener Räsoneur – diesen Zustand müssen wir erstreben.

Republik oder Monarchie? Ist völlig gleichgültig. Es gibt sone und solche Monarchien: England und Afghanistan; sone und solche Republiken: die Schweiz und Haiti.

Ein Künstler, der zur Revolution aufruft, ist blitzdumm; ist vielleicht ein Fanatiker mit herrlichen Instinkten; Politiker ist er nicht.

Eine Hand wäscht die andre: der weise Autokrat (als welcher Louis Quatorze oder Clemenceau heißen kann, Hohenzollern oder Schulze) – der weise Autokrat wird die Kunst nach Möglichkeit fördern, wird gern sehen, daß seine Untertanen Geld verdienen, Bilder kaufen, für Rilke und Arthur Schnitzler schwärmen, Bibliophilitiker werden und sich Ex libris zeichnen lassen von Willi Geiger, Hubert Wilm und George Grosz. – Robespierre, Marat und Bakunin hingegen hatten keine Ex libris.

Die Kunst umspannt freilich alle Erscheinungen des Lebens – es gibt auch eine kriegerische, eine Barrikadenkunst. Es gibt auch Meteoreisen. Die Industrie ist dennoch auf Hochöfen angewiesen; die Kunst auf den Frieden.

Es mußte endlich einmal ausgesprochen werden: Wählt Kerschensteiner, wenns wieder einmal dazukommt!

Mich, wie gesagt, geht das alles garnichts an. Und schließlich ist, was ich sagte, auch nicht meine Meinung.

Eine politische Rede,
die ich noch nie zu halten wagte