„Ich kümmere mich nicht um das alles. Hast du gegen den Krieg, gegen das Vaterland geschrieben oder nicht?“

„Ich habe geschrieben, daß der Krieg ein Verbrechen ist, und daß alle Vaterländer sich damit beschmutzt haben.“

Camus fuhr auf, ohne Clerambault die Möglichkeit zu geben, sich weiter zu erklären, machte eine Bewegung, als ob er ihn am Halse fassen wollte, hielt sich aber zurück und schleuderte ihm ins Gesicht, daß er der Verbrecher sei, und daß er verdiente, sofort vor das Kriegsgericht zu kommen.

Auf sein Geschrei hin begann das Mädchen an der Tür zu horchen, Madame Clerambault lief herbei, versuchte mit einem Strom von Worten über sein aufgebrachtes Wesen ihren Bruder zu beruhigen. Clerambault, ganz betäubt, bot vergebens Camus an, ihm die beschuldigte Broschüre vorzulesen, aber Camus verweigerte es mit einem Zornesausbruch und sagte, ihm genüge schon, das von diesem Dreck zu kennen, was die Zeitungen davon gebracht hatten. (Er nannte die Zeitungen Lügner, bestätigte aber ihre Lügen.) Schließlich trat er als Richter auf, forderte Clerambault auf, unverzüglich und in seiner Gegenwart eine briefliche öffentliche Abschwörung zu schreiben. Clerambault zuckte die Achseln und sagte, er sei niemandem Rechenschaft schuldig als seinem Gewissen, er sei frei.

„Nein!“ schrie Camus.

„Wie? Ich bin nicht frei, ich habe nicht das Recht zu sagen, was ich denke?“

„Nein, du bist nicht frei! Nein, du hast nicht dieses Recht“, schrie Camus ganz außer sich. „Du hast Rücksichten zu nehmen auf das Vaterland und vor allem auf deine Familie. Sie hätte das Recht, dich einsperren zu lassen.“ Er verlangte, daß der Brief sofort geschrieben würde, augenblicklich! Clerambault wandte ihm den Rücken. Camus ging weg, schlug die Tür zu und schrie, er würde nie mehr den Fuß hierher setzen, zwischen ihnen sei alles zu Ende.

Nachher mußte Clerambault noch die Fragen seiner in Tränen aufgelösten Frau über sich ergehen lassen, die, ohne zu wissen, was er getan hatte, seine Unvorsichtigkeit beklagte und ihn fragte, warum in aller Welt er denn nicht schweige. Hätten sie denn noch nicht Unglück genug, wozu dieses Bedürfnis zu reden und vor allem diese unsinnige Sucht, anders reden zu wollen als die anderen.

Rosine kam von einer Besorgung zurück. Clerambault nahm sie zum Zeugen, erzählte ihr wirr die peinliche Szene, die sich eben abgespielt hatte, bat sie, sich an seinen Tisch zu setzen, damit er ihr den Artikel vorlesen könne. Ohne sich die Zeit zu nehmen, die Handschuhe auszuziehen oder den Hut abzulegen, setzte sich Rosine zu ihrem Vater, hörte still und klug zu. Als er geendigt hatte, stand sie auf, umarmte ihn und sagte:

„Ja, das ist schön!... Aber, Papa, wozu hast du das getan?“