„Ich weiß nicht.“

„So sag’ doch! . . .“

„Ach, ich schäme mich . . .“

„Du schämst dich? Weshalb?“

„Wegen allem.“

Sie schwieg.

Schon den ganzen Tag stand sie unter dem qualvollen Eindruck eines peinlichen, erniedrigenden Erlebnisses: jene Fabriken, als Stätten des Todes und der Unzucht, erzeugten mit ihrem Durcheinander von Männern und Weibern, als Gärbottiche von Menschenfleisch, ein Gift, von dem auch Lutzens Mutter bis zum Wahnsinn ergriffen war; sie kannte nun weder Scheu noch Scham. In rasender Eifersucht hatte sie in der eigenen Wohnung mit ihrem Geliebten einen lauten Streit gehabt, ohne sich vor Lutz irgendwie zu mäßigen; so hatte diese bei der Gelegenheit erfahren, daß ihre Mutter schwanger war. Das war für das Mädchen gleichsam eine Beschmutzung gewesen, von der auch sie selbst, die Liebe überhaupt und sogar ihre Liebe zu Peter befleckt wurde. Darum also hatte sie Peter zurückgestoßen: sie schämte sich für ihn und sich . . . seinetwegen schämte sie sich? Armer Peter! . . .

Sehr gedemütigt lag er da und wagte sich nicht mehr zu rühren. Da verspürte sie Reue, lächelte in ihren Tränen, legte den Kopf auf seine Knie und sagte:

„Jetzt komme ich dran!“

Peter war immer noch besorgt, strich ihr übers Haar, wie man ein Kätzchen liebkost, und flüsterte: