»Ich bitte Sie, Herr Doktor, sagen Sie mir die Wahrheit! Die Sache beunruhigt mich auf das Tiefste. Sie sind doch beide so großartige, bedeutende Menschen! Wie herrlich müßte es sein, wenn Sie beide wieder vereinigt wären! Gäbe es denn kein Mittel?«

»Lassen Sie das, Pipin!«

»Ist es wirklich unmöglich? Können Sie mir nicht wenigstens den Grund sagen? Den Anlaß Ihres Zerwürfnisses? Vielleicht ist es ein bloßes Mißverständnis gewesen, das nur aufgeklärt zu werden braucht? Vielleicht, wenn Sie sich dazu bewegen ließen, mit mir darüber zu sprechen, könnte ich dem Grafen – glauben Sie mir, Herr Doktor, ich würde nichts unversucht lassen! Ich würde alles – sagen Sie doch ein Wort!«

Elmenreich schien durch Pipins Eifer gerührt. »Pipin, das verstehen Sie nicht« – sagte er, aber in einem väterlichen Ton.

»Vielleicht doch! Versuchen Sie es wenigstens! Gott, wenn es mir gelänge, wenn – wenn ich das bewirken könnte, ich wäre närrisch vor Freude!«

»Also da Sie es durchaus wissen wollen: es ist gar kein besonderer Anlaß gewesen, gar kein Zerwürfnis. Wir haben uns einfach auseinandergewandelt.«

»Auseinanderge – was?« fragte Pipin.

»Auseinandergewandelt!« wiederholte Elmenreich mit Betonung. »Nun werden Sie wohl begreifen, daß da nichts zu machen ist.«

Pipin sah nicht sehr überzeugt aus. Er seufzte, wagte aber keine Frage mehr.

Abends nahm er Dr. Kranich beiseite. »Ich möchte Sie etwas fragen«, sagte er mit wichtiger Miene. Als ich mich entfernen wollte, hielt er mich zurück. »Oh, es ist kein Geheimnis, gnädige Frau; vielleicht können Sie mich aufklären, falls Doktor Kranich nicht wollte. Denn Doktor Kranich ist leider nicht geneigt, sein Wissen und Können in den Dienst anderer zu stellen. Denken Sie sich, neulich hat er gesagt, daß das »Humane« ein überwundener Standpunkt ist, von dem nur mehr Provinzschullehrer und gebildete Damen das Heil erwarten –«