Justus.
Den 13. December.
Liebe Schwester, ich habe eine Menge Aufträge für Dich. Du schriebst im letzten Briefe, Du würdest vor Weihnachten noch einmal nach Berlin reisen, das paßt ganz zu meinen Wünschen. Burga hat es nämlich bei ihren Eltern dahin gebracht, daß ich die Erlaubniß erhielt, den heiligen Abend des Weihnachtsfestes bei ihnen zuzubringen, und nun wollte ich Dich bitten, in Berlin passende Geschenke für die Familie auszusuchen. Ich denke, eine hübsche Schreibmappe mit schönem Papier würde Theresen nicht unwillkommen, eine Auswahl neuer Tänze oder irgend ein Putzgegenstand für Ida nicht unpassend sein. Burga und Berga müssen etwas Egales haben, oder Gemeinschaftliches, Noten zu vier Händen etwa, oder Spiele, oder eine wohleingerichtete Kochanstalt, was Du willst, Du wirst schon das Richtige treffen. Für Cäcilie etwas zu wählen, ist schon schwerer; ich habe an Scrivers Werke gedacht – ich habe in diesen Büchern gelesen, sie stehen in der mir zugänglichen Bibliothek des Grafen – aber wie könnte ich es wagen, ihr ein Erbauungsbuch zu schenken! Aber wenn Du dennoch meinst, es ginge, dann schicke sie, in recht würdigem, gediegenem Einbande. Vielleicht machten ihr auch Märchen, mit vielen Bildern im Text, Freude, es müßte aber schon etwas sehr Gutes sein, gehaltvoll, in der Form gelungen, und jedenfalls in einer Prachtausgabe; erkundige Dich doch, was es Bestes in der Art giebt. Auch habe ich an Schmucksachen gedacht: ein Perlenhalsband mit schönem, goldenem Schlosse würde ihr vortrefflich stehn; doch Perlen bedeuten Thränen, mein Geschenk soll weiter keine Bedeutung haben, als ein Andenken an diesen heiligen Abend, die der Thränen gewiß nicht, und so ist es auch mit einem goldenen Kreuze, welches sie vielleicht trüge, aber nein, Kreuz bedeutet Leid.
Du siehst wohl, für Cäcilien weiß ich garnichts, suche Du nur etwas aus, was für ein frommes, sinniges und schönes junges Mädchen paßt, vergiß aber nicht, mir auch all die Sachen, welche ich angedeutet habe, mit zu besorgen, es könnte doch sein, daß mir das Eine oder Andere davon noch wünschenswerth für sie erschiene. Gern malte ich ihr etwas, aber was? Sie hat so viel Schönheitssinn, so viel Kunstverstand, werde ich ihr in der kurzen Zeit, neben den mir aufgetragenen Arbeiten, noch etwas Würdiges schaffen können? Ich bezweifle es. Für die kleine Johanne habe ich ein Album machen lassen, welches ich mit Zeichnungen aus der biblischen Geschichte schmücke, ein kleines Büchlein nur. Ein Album wäre auch etwas Passendes für Cäcilie, aber ich müßte es ihr fast leer überreichen, und das möchte ich nicht. Höre, Kind, besorge doch auch eine Prachtmappe von Sammet und einfachem Golddruck, es könnte sein, daß ich unter meiner Sammlung noch so viel Gutes zusammenfände, was ich ihr, ohne lächerlich zu erscheinen, anbieten dürfte. –
Lebe wohl, liebes Kind, ich habe es sehr eilig.
Dein Bruder Justus.
Um allem Irrthum vorzubeugen, füge ich diesem Briefe ein einfaches Register derjenigen Dinge bei, welche ich für Cäcilien besorgt zu haben wünschte: 1) Scrivers Werke, 2) Märchen, 3) ein Perlenhalsband, 4) ein goldenes Kreuz, 5) eine Mappe, und 6) Verschiedenes, durch welches Dein Geschmack meiner Rathlosigkeit zu Hülfe kommen könnte.
J.
Was meinst Du, schenke ich auch den Alten etwas? Es wäre wohl nicht gut angebracht, aber Julchen muß etwas haben; sinne nach, was es sein kann. Spare ja nicht, ich lege einen Wechsel von 50 Rthl. bei, und reicht das Geld nicht, so lege nur für mich aus.
Dein Bruder.