Sie richtete bei diesen Worten ihren Blick mit Begeisterung auf ein Bild ihr gegenüber, ich folgte und war versucht an Wunder zu glauben; das Christusbild aus meiner Mutter Kabinet war Cäciliens Eigenthum!

»Ich kenne den Grund Ihrer Selbstanklagen nicht,« sprach ich mit tiefer Erregung, »ich kann nicht ahnen, was Sie so tief bewegt, aber Sie sollen wissen, mit welchem Schmerze ich von hier scheide; ich wollte schweigen, aber ich kann es nicht.«

Und nun erzählte ich ihr all die schönen Träume, die mich in Burgwall umschwebt, von dem Erkerstübchen, von all den wonnigen Phantasien, die mit ihm zusammenhingen, daß ich ihnen entsagen müßte, weil ich mich der vollen Huld eines geliebten Wesens, welches für mich der Inbegriff aller menschlichen Liebenswürdigkeit sei, unwürdig fühlte, daß ihr ganzes Benehmen mir auch zeige, wie wenig sie meine Liebe verstanden habe und erwiedere. Jetzt sei sie leidend, eine dunkle Unruhe hätte mich getrieben, sie noch einmal aufzusuchen, sie möge verzeihen, um der Liebe willen, die ihr geweiht sei. Und ich verstummte vor seligem Entzücken, entzündet an ihrem, an Cäciliens, die mich, mich liebt. Du glaubst es nicht, Du fragst, ob dies möglich ist; es ist durch Gottes reiche Huld volle köstliche Wahrheit!

Viel hätte ich zu erzählen von ihrer Demuth, die von Glück sprach, von ihrer himmlischen Offenheit, die mir gestand, wie sie bei meiner herannahenden Abreise Blicke in ihr Herz gethan und gefunden habe, daß es zagte, eine Oede zu werden, wenn sie fern von mir sein würde, wie sie befürchtet, Gott müsse zürnen, daß sie sein Geschöpf so sehr, zu sehr liebe. Und sie hat recht: bin ich dessen würdig? – Aber nun strahlte ihr kleines blasses, süßes Gesicht im Glanze der Verklärung: Gott war ihren Gefühlen gnädig, er segnete sie!

Wir gingen Hand in Hand hinab. Nichts von dem allgemeinen Staunen, Du kannst Dir's denken. Die Alten waren anfangs vor Ueberraschung stumm, Cäcilie hing aber an ihrem Halse und Burga und Berga umarmten mich, Therese und Ida kamen auch, da bekamen sie die Sprache wieder und Thränen dazu, und ich erhielt ihr Engelskind mit dem vollsten wärmsten Segen.

Nur wenige Stunden war ich noch in ihrem Kreise, hatte auch Geistesgegenwart genug an den Kauf unsers Vaterhauses zu denken, mein Schwiegervater, – wie klingt das, Pauline? ich sage Dir wie ein Segen! – also mein Schwiegervater wird diese Angelegenheit besorgen.

Zum letzten Male erstieg ich den Schloßberg. Ich blieb oft stehen und sah gen Himmel. Gott, welcher Reichthum droben und hier, ich staune, ich bete an, ich bitte um Verzeihung! Mein Glück wird endelos sein, Gott hat es mir gegeben; es ist auch ein solches, welches noch wachsen wird, denn Er wird es pflegen und behüten, ich fühle es.

Am nächsten Morgen verkündigte ich dieses Glück der gräflichen Familie und empfing ihre freudigen Glückwünsche, dann nahm ich Abschied von der verehrten Frau, und bald lag Burgwall hinter mir, aber trotz Abschied und Ferne, damals und jetzt, erhebe ich meine Hände und mein Herz hinan zum Himmel, Ihm Dank und Preis darzubringen, der so Großes an mir gethan hat; der meiner Seele half, als sie rang nach dem neuen Leben, der alle Dunkelheit und alles Bangen vernichtete, und in seinem Liebesrath mir den Engel beigesellte, dessen lichte Klarheit mir in Zukunft jeden Schatten von meinem Pfade verscheuchen wird!

Aber Du mußt sehen, Pauline, Du sollst und mußt Deine Schwester bald kennen lernen. Zu Pfingsten erwarten wir Dich bestimmt in Burgwall.

Schreibe bald, grüße auch Deine edlen, alten Freundinnen, und sei so glücklich wie