Die Leute aber, die das nicht wissen, nennen sie kurzweg –

»Die Schusterkugel«.


Die Schönsten.

Zwischen zwei wildreißenden Gebirgsbächen, die sich einen, um nunmehr einen einzigen reißenden Fluß zu bilden, entsteht eine Landzunge. Auf solcher Landzunge stand ein großes, weißes Haus. Weithin strahlte es in reiner Schönheit und hieß darum im ganzen Lande nur »das schöne Haus«. Glücklich die Menschen, die dort wohnen durften, denn nicht nur das Haus selber war so wunderbar schön – es war umstanden von den herrlichsten, stolzesten Bäumen, umblüht von Matten, die bis hart an die Ufer der reißenden Bäche mit blauen Enzianen, lichten Vergißmeinnicht, goldenen Dotterblumen und vielen anderen lieblichen Blüten besät waren. Das war ein Leuchten prächtigster Farben, ein Atmen süßester Düfte ringsum, so einzig schön – passend zu dem schönen Hause.

In dem schönen Hause wohnte ein Ehepaar in der Blüte der Jahre mit zwei lieblichen Kindern. Wer das Glück hatte, die Besitzer der blühenden Halbinsel aus der Nähe zu sehen, dem wurde es auch sogleich klar, warum das Volk sie nur »die Schönsten« nannte. Sie waren die Schönsten, das Schönste, was man sich denken konnte. Der Gatte in kräftiger Männlichkeit, die Gattin in zartester Frauenschöne; die Kinderlein in wonnigstem Kinderliebreiz. Sie waren sich ihrer Schönheit bewußt und waren stolz auf dieselbe und pflegten sie als das, was sie war, ein Geschenk des Höchsten.

Da wurde dem Paare wieder ein Kindlein geboren, ein Kindlein wie alle anderen, mit runzeliger Haut, winzigem Stumpfnäschen, spärlichem Haar und rotem Körperchen. Die Eltern lachten. Sie wußten ja, wie bald sich in ihrer Familie aus solch unansehnlichem kleinen Wesen eine Schönheit entwickeln würde. Sie lachten – bis sie merkten, daß es anders kam. Das kleine Mädchen wuchs und gedieh, aber es wurde von Tag zu Tag unschöner – es wurde häßlich von Gestalt und Antlitz und hatte einen zu kurzen Fuß. Da grämten sich die Eltern, ja sie schämten sich. Nun würde man sie nicht mehr im ganzen Lande »Die Schönsten« nennen und sie waren auf diesen Namen doch so stolz gewesen. Es erschien ihnen als eine große Schande, daß ihnen, den Schönsten, ein so unschönes Kind geboren war. Sie verbargen es vor den Blicken der Menschen. Als das Mädchen aber so groß wurde, daß es sich nicht mehr verstecken ließ, beratschlagten sie, was zu tuen sei, um ihre Schande zu verbergen.