So ein armes, verlassenes Fabrikfeuerseelchen war es auch, das weit draußen vor der Stadt in einem häßlichen Ofen hausen mußte. Bei Nacht kauerte es unter der Asche versteckt schlafend tief unten im Feuerloch. Da war es dann still, nur hin und wieder piepste eine Maus oder der Nachtwächter öffnete die Ofentür und sah hinein, ob das Feuer auch ganz erloschen sei. Vor dessen bärtigem, bösem Gesicht hatte Seelchen große Angst und war jedesmal froh, wenn die schwere Ofentür wieder zuklappte.

Am Morgen, wenn der Ofen wieder tüchtig geheizt wurde, erwachte Feuerseelchen zu neuem Leben, dehnte und reckte sich in den hellen Flammen, hüpfte zwischen ihnen hin und her und schaute voll Sehnsucht hoch, hoch in die Höhe über sich, wo ein kleines, rundes Loch ein Stücklein blauen Himmel zeigte. Wenn dann das Feuer munter prasselte, die Flammen lustig in den Schornstein hinaufflackerten, schwang Feuerseelchen sich auf ihnen in die Höhe und kletterte dann mühsam im Innern des Schlotes hinauf, setzte sich hoch oben auf den Rand des Schornsteines und atmete tief die frische Himmelsluft ein. Dann saß es ganz still und sah sich im Kreise um. Aus den anderen Schornsteinen auf den Häusern tief unter Seelchen grüßten dann viele, viele andere Feuerseelchen zu ihm hinauf. Schnell ließ dann Fabrikfeuerseelchen sein Tüchlein in die blaue Luft wehen zum Gegengruß – jeden Tag. Das war ein lustiges Spiel.

Aber auf die Dauer wurde es etwas langweilig. Seelchen sehnte sich nach etwas Anderem, Neuem, zur Unterhaltung. Sein Blick schweifte ringsum über Häuser, Wiesen, Felder, Hügel dahin. Da sah es tief unter sich in einer Senkung einen tiefblauen kleinen See. Wie der da so friedlich lag, so still. Wie ein Stückchen Spiegelglas, das man zwischen hohe Gräser und wehende Farrnkräuter hingelegt hätte. Ruhig spiegelte der Himmel sich darinnen.

So lange Feuerseelchen auch dorthin blickte, nichts rührte sich. Der See schien zu schlafen.

Das verdroß das übermütige, lebhafte Ding und böse rief es: »Herr jemineh, hat denn das Wasser gar keine Seele?«

»Es hat eine!« antwortete eine vorüberfliegende Taube. »Es hat auch eine Seele!« und flog lachend davon.

»Es hat eine Seele, also doch,« flüsterte Feuerseelchen und stellte sich ganz steil hoch oben auf den Rand des Schlotes, ließ sein Tüchlein in der Luft wehen und sang hinunter. »Erwache, erwache, Wasserseelchen, daß wir uns ein wenig unterhalten können. Erwache!« Aber unbeweglich ruhte der kleine See zwischen seinen grünen Ufern.

Jeden Tag hoffte nun Feuerseelchen auf das Erwachen des Wasserseelchens, sang ihm seine schönsten Lieder hinunter, winkte mit dem Tüchlein und weinte dann herzbrechend vor Enttäuschung. Das sah Skriba, der Dichter, der im nächsten Hause hoch oben im Dachkämmerlein wohnte, und wunderte sich.