»Was machst Du denn hier im Walde, Pimsti-Pumsti?« frug Lottchen und pruschte laut los, weil ihr der Name so sehr komisch vorkam.
»Was ich mache?« antwortete der. »Garnichts mache ich. Das heißt, ich schlafe das ganze Jahr über in meiner Höhle.« »Na, und heut?« sagte Lottchen. »Heute schläfst Du doch nicht!«
»Nein, Du kleiner Naseweis, heute nicht. Heute ist der heilige Abend. Das ist der einzige Tag im Jahre, an dem ich munter bin. An dem ich nicht schlafen darf, denn da muß ich in jedem Jahre dafür sorgen, daß auch im Walde Weihnachten ist. Ihr werdet's ja sehen! Da, es fängt schon an, seht mein Englein!«
Als nun die kleinen Mädchen das Englein mit den Augen suchten, flog es nicht mehr geradeaus über ihnen. Es flog hin und her, von rechts nach links, von links nach rechts und berührte mit einem goldenen Stäbchen die Spitzen der großen Tannen auf beiden Seiten des Weges, der nun immer breiter wurde. Und wo sein Stab die Baumspitze berührt hatte, flammte auf derselben ein lichter, strahlender Stern auf. Das sah herrlich aus. So herrlich, daß die Schwestern immerfort nach dem Engel und nach den Sternen auf der Spitze der Bäume sahen und gar nicht auf den Weg. Und hätte der gute Pimsti-Pumsti sie nicht fest bei der Hand gehabt, sie wären sicher gestolpert und hingefallen.
So gingen sie tapfer weiter und merkten es gar nicht und standen plötzlich auf einem großen freien Platz. Da ließ Pimsti-Pumsti sie los und klatschte in die Hände, daß es weithin schallte. Dann sagte er laut und feierlich das eine Wort: »Weihnachten!«
Da flog das Englein herbei und setzte sich auf die höchste Spitze der himmelhohen Tanne, die in der Mitte des Platzes stand, und läutete mit einem silbernen Glöcklein und im Nu erstrahlte der hohe Tannenbaum von tausend Lichtern und funkelte und glitzerte und war nun ein himmlisch schöner Weihnachtsbaum. Und auf den großen, schweigsamen Tannen, die den Platz umstanden, wurde es lebendig. Auf der Spitze einer jeden ließ sich ein Englein nieder. Und alle sangen nun mit heller Stimme: »Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!« Dann wurde es still, ganz still, und den Kleinen klopfte das Herz in der Brust.
Und noch einmal rief Pimsti-Pumsti mit lauter Stimme: »Weihnachten! Weihnachten im Walde!« Dabei lächelte er freundlich.
Da hörten die Kinder leises Knistern und Knastern im nahen Gesträuch. Das wurde immer lauter. Und durch die Aeste des Gebüsches nahten sie alle: Rehe, Hirsche, Wildschweine, Füchse, Dächse, Häslein! Alle, alle die lieben Bewohner des Waldes. Und auf den Zweigen rührte es sich von Vöglein aller und jeder Art und von roten und schwarzen Eichhörnchen. Und alle die lieben Tiere verharrten ganz still und sahen andächtig auf den Lichterbaum.
Und Pimsti-Pumsti lachte vergnügt vor sich hin und rieb sich vor Freude die großen, breiten Riesenhände. Dann verschwand er hinter dem Weihnachtsbaum und kehrte mit einem großen Schlitten voll süß duftendem Heu und prallen Säcken zurück. Das Heu streute er den lieben Rehen und anderen Tieren hin und aus den Säcken kamen süße Wallnüsse und braune Haselnüsse zum Vorschein für die Eichhörnchen und anderen Tiere, die Nußkerne lieben. Da gab es ein Nagen und Knuspern und Beißen und Knattern, daß es eine Lust war. Es war die richtige Weihnachtsfestmahlzeit für alle Gäste des guten Pimsti-Pumsti. –