Hier wollen wir uns nur mit dem Berichte bescheiden, daß diese Hühneraugen des heiligen Bürokrazius zum mindesten eine unmittelbare Ursache für die Auffindung des Amtsschimmels durch den Heiligen wurden.

Je gräßlicher die Tortur der Hühneraugen sich auswuchs, desto klarer und deutlicher kam der gemarterte Heilige zu der Überzeugung, daß ihm in diesem verzweifelten Falle nur mehr durch eine himmlische Eingebung geholfen werden könne. Er erinnerte sich dahero des wohlmeinenden Rates, den ihm der Erzengel Michael erteilt hatte ... er möge sich, wenn er neuer himmlischer Eingebungen zur Ausübung seines heiligen Berufes bedürfe, auf den Sitz seines Verstandes niederhocken und tief nachdenken.

Das tat denn auch der heilige Bürokrazius. Er hockte sich zehn Tage und zehn Nächte hin und dachte eifrig nach, dabei die himmlische Eingebung erwartend. Er schlief, wenn er vom Denken erschöpft war, auch in sitzender Stellung, um die Eingebung des Himmels ja nicht zu verpassen.

In anderen Heiligenlegenden werden diese Offenbarungen von oben den Heiligen vielfach in schlafendem Zustande durch wunderbare Traumgesichte kundgetan. Es muß jedoch hier ausdrücklich festgestellet werden, daß dies beim heiligen Bürokrazius nicht geschah.

Er erlebte die himmlische Stimme vollkommen wach und munter am Morgen des eilften Tages. Als er von dem vielen Nachdenken und Harren schon etwas müde und abgespannt zu werden begann, da erhub sich auf einmal eine gewaltige innere Stimme in ihm, die auffällig der Stimme des Erzengels Michael glich und dem Heiligen sofort ein erinnerungsvolles Jucken und Beißen verursachte.

Die innere Stimme aber sprach: „Rindviech, g’selchtes! Was laufst denn alleweil auf deine Plattfüß’ umeinander! Oder glaubst du vielleicht, daß so ein hatschender Heiliger dem Publikum auf die Dauer imponieren wird? Da bist aber ang’schmiert!“

„Was soll ich denn tun?“ frug der heilige Bürokrazius kläglich.

Da sprach die Stimme: „Schau dir um ein Roß und reit’!“

„Aber ich kann ja gar nicht reiten!“ wandte der Heilige bescheiden ein.

„Wirst es schon erlernen!“ erwiderte die Stimme von oben. „Wir haben ohnedies schon einen berittenen Heiligen. Denselbigen, der seinen Mantel auseinanderschneidet und mit dem Bettler teilet. Wirst ihn schon gesehen haben. Ein sehr respektabler Heiliger. Also kommt es uns auf ein heiliges Rindviech zu Pferd auch nicht mehr drauf an!“