Felix Altwirth lebte jetzt nur mehr diesem Wahn, der ihn bis zur Raserei aufpeitschte und ein grenzenloses Gefühl des Hasses und der Rache in ihm erzeugte. Und aus diesem Gefühl heraus, aus dem Gefühl des Verkanntseins, des Elends, der Demütigung und der unbefriedigten Rachgier ging er zu der Wirtin vom Weißen Hahn und bewarb sich bei dieser um die Dekorationsarbeit des neuen Saales, der gerade fertig ausgebaut war und schon in der nächsten Zeit mit einer großen Festlichkeit eröffnet werden sollte.

Er tat es hinter dem Rücken seiner Frau und in dem bestimmten Empfinden, daß er durch diese Selbsterniedrigung des Künstlers seiner Heimat eine große Schmach zufügte.

So kam es, daß Felix Altwirth, der Künstler, im Arbeitsrock eines Anstreichers auf den Stufen einer Leiter stand und den neuen Saal beim Weißen Hahn ausmalte. Und hier, bei dieser entwürdigenden Arbeit sah ihn Frau Sophie Rapp nach langer Zeit zum erstenmal wieder.

Dreizehntes Kapitel.

Wie ein Wirbelwind so eilig sauste Frau Sophie Rapp durch die weite Halle des neuen Saales, der so kahl und zugig und unlustig war, daß die junge Frau unwillkürlich fröstelnd die schöne, breite Pelzstola, die sie um den Hals geschlungen trug, enger an sich drückte. Es roch nach Farbe und Kalk in dem Raum, der hoch und düster war und wohl nur bei festlicher Beleuchtung einen gastlichen Eindruck machen konnte.

Sophie behagte es gar nicht da drinnen, und so eilig hatte sie es, daß die Wirtin vom Weißen Hahn mit dem hastigen Gang der jungen Frau kaum Schritt zu halten vermochte.

„Wissen’s, Frau Buchmayr,“ sagte die Sophie fröhlich, „viel Zeit hab’ ich nit für Ihneren Saal. Aber aus alter Freundschaft hab’ ich doch herschauen und mir die Sach’ ein bissel betrachten wollen. Schön ist er und groß ist er und kalt ist er, der Saal!“ foppte sie dann die Wirtin und schaute lachend und heiter um sich. „Und schöner einrichten müssen Sie ihn noch. Das wär’ doch gar nix!“ fügte sie in neckischem Tadel hinzu und deutete auf die vielen Farbentöpfe und Pinsel, die am Boden verstreut waren und einzelne farbige Spuren zurückließen.

Am äußersten Ende des Saales stand Felix auf einer Staffelei und malte eifrig. Er malte Blumen und Früchte in bunter Reihenfolge und kümmerte sich nicht um die Frauen, deren Stimmen durch den leeren Raum unnatürlich laut widerhallten. Nur einmal hatte er sich flüchtig umgedreht und dabei auf den ersten Blick die junge Frau Doktor Rapp erkannt. Sophie achtete nicht auf den Maler, der in einer dämmerigen Ecke des Saales arbeitete.

„Ja, freilich wird’s anders!“ verteidigte sich die Wirtin. „Ich hab’ ja jetzt den Maler, wissen’s schon, Frau Doktor.“