Ein schlanker Mann in der Uniform eines Polizeileutnants kommt rasch den Kiesweg herauf. Er ist blaß und hat langes schwarzes Haar. In strammer Haltung steht er vor dem Gewaltigen, die Hand am Mützenschirm.

„Was gibt’s?“ fragt dieser.

„Das hier!“

Schnell fährt die Rechte zwischen die Knöpfe des Waffenrocks. Ein Schuß verhallt im Park. Ein paar Vögel flattern erschreckt auf. Die andern singen weiter.

Der blasse Mensch verläßt ruhig den Garten. Niemand hält ihn auf. Er kommt vom Rapport.

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In Odessa. Auf dem Dachboden eines Hauses kauert ein Mann in gespannter Erwartung. Er ist von untersetzter Gestalt, hat einen verwilderten Bart und tranige Stiefel. In der Rechten hält er ein doppelläufiges Gewehr. Starr äugt er durch die Dachluke hinab in den Gefängnishof jenseit der Straße, der von niedrigeren alten Gebäuden umschlossen ist. Der Gefängnishof ist nicht leer. Ein Galgen ragt dort in die stille Morgenluft. Der Henker macht die Schlinge zurecht. Es schlägt sechs Uhr. Trommelwirbel grollt auf. Die Tür in den Hof öffnet sich. Der Verurteilte wird herausgeführt. Er ist schlank und blaß, das Haar ist abgeschoren, der Hals entblößt.

Einen Augenblick arbeitet es heftig im Gesicht des Wartenden. Ein kurzes Schluchzen erschüttert ihn. Aber er beißt die Zähne in die Unterlippe, hebt die Flinte. Sein Arm zittert. Nur einige Sekunden. Dann ist er ganz ruhig.

Die erste Kugel bewahrt den Freund vor einem schimpflichen Tod. Die zweite gilt dem Leiter der Hinrichtung. Auch sie geht nicht fehl.

Unten entsteht eine Panik. „Man hat geschossen! Die Juden haben geschossen!“ schreit einer. Und das ist das Signal zum Gemetzel.