Da legte sie ihm mit einem warmen Blick die verschmähte Rechte auf den Arm: „Machen Sie es sich und uns doch nicht gar so schwer!“

„Nicht so gut sein ...“ Das klang rauh, wie ersticktes Schluchzen.

„Fritz!“ sprach nun die Frau herzlich und war ganz nahe bei ihm. „Das dürfen Sie nicht glauben, Fritz. Nein, das nicht ... Unser Heinz, der — hat wohl so sterben müssen. Hat sich für seinen Glauben geopfert und über den Tod mehr gefreut als je im Leben. Drum — es wird wohl das beste Gedenken für ihn sein, wenn wir ihn so verstehen und auf niemanden einen Stein werfen. Auch auf uns selbst nicht, Fritz! Keiner hat schuld an seinem Tod — nicht einmal er selbst. Er hat nur — das allerbeste Glück kennenlernen wollen — und gern ein Leben dafür weggeworfen, das sich anders nicht mehr hat erfüllen können ...“

Ihre Stimme zitterte, aber um den Mund lag etwas wie der Abglanz eines mutigen Lächelns. Und wieder hatte sie den rechten Weg zum Herzen des schwerblütigen Menschen gefunden.

„Es wird schon so sein, Frau Wart,“ sprach er klanglos vor sich hin und stand noch wie geistesabwesend da. Dann aber, im Überquellen einer starken Empfindung, haschte er nach ihren Händen. „Meine zweite Mutter!“ sagte er ganz leise, ganz innig.

Sie verstand ihn gleich.

„Ja, Fritz, Ihre zweite Mutter. Und Sie — mein anderer Heinz. So wird’s wohl recht sein.“

Und sie zog sein Gesicht zu sich nieder und küßte ihn auf die Wange. Dann wandte sie sich an ihre Tochter: „Nun, Ev? Was sagst du zu deinem neuen Bruder? Bist du’s zufrieden?“

Die aber schüttelte den Kopf.

„Nicht?“ fragte die Mutter. „Und doch glänzen dir die Augen so stark?“