»Und einer eitel auf den andern. Ich sag’ dir, alle Welt dreht sich nach ihnen um, wenn sie zusammen anmarschieren.«
»Bißchen vorzeitig,« murmelte Otten .... Der Name Marias schwebte ihm auf der Zunge. Da hielt der Wagen schon.
Im Vorraum nahm ein Diener den Herren Hut und Mantel ab. Otten warf einen Blick in den facettierten Wandspiegel. »Geht das an? Ohne hochzeitliches Gewand? Ach was. Qui vivra, verra.«
Im großen Salon und im angrenzenden Musikzimmer saßen die Gäste und horchten auf das Spiel einer Pianistin. Das braune Haar in tiefer Frisur von der Wange zurückgestrichen und im Nacken zu einem schweren Knoten genommen, die mädchenhafte Figur in einem weißen, goldbordierten Phantasiegewand, das oberhalb der weiten Ärmel die Schultern freigab, spielte die Dame eine virtuose Variation, ohne sich durch den Eintritt der neuen Gäste im geringsten ablenken zu lassen. Erst, als sie an der leisen Bewegung, die durch das Auditorium ging, fühlte, daß ihre Zuhörer nicht mehr bei der Sache waren, schloß sie mit einem Lauf, den sie auf hoher Note abbrach. Die Hände auf den Tasten, blieb sie sitzen und wandte nur langsam den Kopf.
»Liebe Amely,« hörte sie über sich die Stimme ihres Mannes, »da hab’ ich aber mal eine Überraschung für dich. Es ist nur ein Schulkamerad, aber nebenher ist es auch der Doktor Joseph Otten.«
Der korpulente Mann, dessen gerötetem Gesicht man die Freude an dem unerwarteten Besuch ansah, klopfte dabei dem Gast kräftig auf die Schulter. Frau Amely zuckte ein wenig. Da ließ der Gatte verlegen von den Freundschaftsbezeigungen ab. »Meine Frau,« stellte er vor.
Joseph Otten verbeugte sich tief. Als er den Kopf hob, gewahrte er einen verwundert forschenden Ausdruck in den Augen der Dame des Hauses. Der Blick lief an ihm hinab.
»Ich habe Ihre Entschuldigung nachzusuchen, gnädige Frau. Ich weiß, das ist keine Besuchstoilette.«
»Die gnädige Frau wird mir sicher nicht zürnen, daß ich den Herrn Doktor direkt von der Bahn hierher brachte,« warf Terbroich ein. »Berühmte Männer fallen unter das Ausnahmegesetz.«
»Sie kommen direkt von der Bahn?«