»Cäsarius von Heisterbach.«

»So heißt er. Soll ich sie dir erzählen?«

»Du fieberst ja darauf. Und tugendhaft ist sie? Nun, ich werde sehen, ob ich mich daraufhin beruhigen kann.«

»Hör zu, Vater. Beim Dechanten von Sankt Andreas kehrten einmal an einem Fasttag einige Mönche ein, die er zu Tisch lud. Da aber keine Fische im Hause vorhanden waren, sprach er zu seinem Koch: ›Wir haben heute keine Fische, aber es sind einfache Klosterbrüder, und sie haben Hunger; da wird es ein Fleischgericht auch tun. Du mußt aber die Knochen sauber herausnehmen und es so kneten und klopfen, daß es aussieht wie ein Fisch. Dann tust du brav Pfeffer daran, bringst die Schüssel auf den Tisch und sagst dazu: Gesegne der Herr euch diesen Butt allesamt!‹«

»Carmen, Carmen — —!«

»Der Koch tat genau nach Auftrag, und sobald er gesagt hatte: ›Gott gesegne euch diesen Butt,‹ begaben sich die Mönche ans Essen, und es mundete ihnen vortrefflich. Der fromme Betrug blieb ihnen verborgen, und obgleich der Butt seltsam schmeckte, so war der Geschmack doch nicht unangenehm. Fragen wollten sie nicht, ob er vielleicht aus der See herkomme, weil sie den Wirt keiner Unwahrheit zeihen mochten. Wie aber der Grund der Schüssel schon sichtbar war, fischte einer der Mönche mit dem Löffel ein Schweinsöhrchen, und der andere zog ein Schnüßchen hervor. Lächelnd sahen sich die beiden an und zeigten ihren Fund. Der Dechant aber sagte scheinbar erzürnt: ›Esset doch in Gottes Namen weiter! Mönche sollen nicht vorwitzig sein. Butte haben doch auch Ohren und Schnüßchen!‹«

»Nun? Nun?« Otten lachte, daß ihm die Tränen kamen.

»Also aßen sie die Ohren und Schnüßchen ohne Gewissensbedrängnis,« schloß das junge Mädchen, und ihr klingendes Lachen mischte sich mit dem des Vaters.

»Und die Nutzanwendung für mich? Denn das hast du doch bezweckt?!«

»Mönche und junge Mädchen sollen nicht vorwitzig sein.«