»Neben dir!«

»Fackeln an! Antreten zum Zuge! Es wird der Harmonie wegen und lediglich der Harmonie wegen gebeten, daß nur harmonisch gestimmte Paare – Wie? – Seelenkunde bei Fackelbeleuchtung? Ich habe hier die Mamas zu vertreten und bitt' mir aus: Mäulchen werden nur gespitzt zum schönen Lied. Silentium! Schönes Lied steigt! ›Wenn wir durch die Straßen ziehen! …‹«

Und der flotte Chargierte, eine weißhaarige Professorengattin am Arm, setzte sich, kräftig intonierend, an die Spitze des Zuges.

Wenn wir durch die Straßen ziehen, recht wie Bursch' in Saus und Braus,
Schauen Augen, blau und graue, schwarz und braun aus manchem Haus.
Und ich lass' die Blicke schweifen, nach den Fenstern hin und her,
Fast, als wollt' ich eine suchen, die mir die Allerliebste wär'.

Die Fackeln blitzten durch den Wald, und die Augen blitzten hinüber und herüber, und junge Schultern suchten aneinander Halt beim Abstieg zur Stadt, als könnten sie so noch einen Herzschlag lang den Zauber bannen, der sie alle befallen hatte im Frühlingswald.

Durch die Straßen der Stadt ging es fackelschwingend und liedersingend, und Klaus Kreuzer und Traud Werder schritten inmitten der großen Schar und waren still und ganz allein mit sich und freuten sich, als sie es fühlten und einer es dem anderen immer wieder mit einem Druck des Armes sagen mußte. Die Fenster der Häuser waren voll von nickenden und lachenden Mädchenköpfen, und vor den Haustüren erhoben sich die Philister von den Bänken und zogen die Mützen und setzten sie ärgerlich wieder auf, wenn ihnen ein Spitzname auf die würdige Glatze geflogen kam im Überschwang des Jugendübermutes.

Und Traud Werder trat an einer Seitenstraße unbemerkt aus der Reihe heraus und Klaus Kreuzer mit ihr, und sie ließen den brausenden Schwarm an sich vorbei und atmeten tief auf. Dann standen sie vor Traud Werders Haus, und sie schloß auf, wandte sich in der offenen Tür nach ihm um und reichte ihm die Hand.

»Gute Nacht, Klaus. Nun habe ich mir so viel Schönes mitgebracht, daß ich nicht mehr allein bin.«

Er trat zu ihr in den Hausflur. »Du willst mich fortschicken?«