Brunhild aber dachte schon nach kurzem, wie sie Kriemhild kränken könnte.
Strahlend saß Siegfrieds schöne Frau neben [123] Gunthers Königin in geschmückter Turnierloge. Da ritten und rangen die Ritter und Herren um hohen Preis unter den Augen der Fürstinnen. Und als Siegfried immer wieder mit leichter Hand den Sieg errang, fragte Brunhild die strahlende Schwägerin:
»Wie kommt es, liebe Schwester, daß man gar so selten von euch hört?«
Und Kriemhild antwortete fröhlich: »Wir wußten nicht, ob wir euch willkommen waren.«
Da sagte Brunhild und hob hochmütig den Kopf.
»Nun, wenn ihr nicht, so doch der Lehnszins, den ihr uns all die Jahre schuldet.«
Ganz blaß wurde Kriemhild, und ein Zittern lief ihr über den Leib. Denn sie fühlte, daß ihres Bruders Frau sie absichtlich verletzen wollte. Und der Stolz ging ihr hoch, daß auch sie den Kopf zurückwarf und mit größerer Schärfe sprach:
»Ihr irrt Euch, edle Frau, mein Herr Siegfried ist keinem zinsbar als in Liebe mir.«
»So sollte,« fragte Brunhild spottend, »der [124] starke Held Euch verschwiegen haben, daß er meines Herrn Gunther Dienstmann ist?«
Wohl atmete Kriemhild schwer, aber sie beherrschte sich und sprach: