Auskunft über die zu bereisenden Länder erhielt ich, soweit dieses möglich war, bereitwilligst von vielen Seiten; auch war Herr Dr. Mertens, der Direktor der Graphischen Anstalt in Berlin, so freundlich, mir Auskunft über Photographieren in den Tropen zu geben, und den von mir für die Expedition angeschafften photographischen Apparat zu prüfen.
Kurz vor meiner Abreise von Berlin traf noch Dr. Preuß, der Leiter des botanischen Gartens von Victoria, ein mit der freudigen Nachricht, daß es ihm gelungen sei, die echte Kickxia im Kamerun-Gebiet nachzuweisen, und daß es sich um zwei spezifisch vollständig verschiedene Arten handele, von denen die eine guten Kautschuk liefere, die andere dagegen wertlos sei. Auch ihm verdanke ich viele wichtige Angaben und Vorschläge, die mir bei Ausführung meiner Expedition von großem Vorteile waren. Er erklärte sich auch bereit, etwaige von mir nach Kamerun gebrachte Kautschukpflanzen im botanischen Garten zu Victoria in Kultur zu nehmen und später an die Pflanzungen zu verteilen, wodurch natürlich die Einführung fremder Kautschukpflanzen in Kamerun bedeutend erleichtert werden konnte.
Messer und Beile zum Anzapfen der Kautschukpflanzen nebst Bechern zum Auffangen des Milchsaftes.
Am 7. Februar 1899 war ich mit den Vorbereitungen fertig und konnte somit am 8. Februar meine Abreise von Berlin ausführen. Da der Dampfer erst am 11. Februar abfahren sollte, hatte ich auch in Hamburg noch Zeit genug, die Herren, an welche ich Empfehlungsschreiben hatte, zu besuchen. Auch hier erfuhr ich noch manches, das für meine Reise wertvoll war; so habe ich besonders den Herren Thormählen, Jantzen und Rhode noch für das Interesse zu danken, welches sie meiner Expedition entgegenbrachten. Der Zufall wollte es, daß damals auch der ehemalige Gouverneur von Kamerun, Excellenz v. Soden, Geheimrat Prof. Dr. Wohltmann und Herr Upmann sich in Hamburg aufhielten, von denen ganz besonders die beiden erstgenannten Herren in der Lage waren, mich tiefer in die Verhältnisse Kameruns einzuweihen, und dank ihrer Liebenswürdigkeit sollte ich noch später viel davon profitieren.
Endlich, am 11. Februar, lichtete der Dampfer „Adolph Woermann“, mit dem ich zunächst bis Lagos reisen sollte, seinen Anker; am Abend konnten wir noch einmal einen letzten Blick auf die deutsche Küste an der Elbe-Mündung werfen, und dann ging es hinaus in die See. Wie wünschte ich damals, daß es mir vergönnt sein möge, meine Aufgaben zu erfüllen und mit reichem Erfolge nach Abschluß der Expedition in das Vaterland zurückkehren zu können.
Am ersten Abend war die Stimmung an Bord natürlich zum Teil sehr gedrückt, so manch einer der Mitreisenden verließ seine Lieben zu Haus zum ersten Male auf längere Zeit, und ein jeder wußte, daß manchem nicht das Glück blühen würde, seine Heimat wiederzusehen.
Je weiter wir uns vom Vaterlande entfernten, desto mehr verschwanden die trüben Gedanken, um den Hoffnungen auf Erfolg Platz zu machen. Die Passagiere lernten sich näher kennen, und schon nach wenigen Tagen herrschte die fröhlichste Stimmung an Bord.
Am 13. Februar fuhren wir in den Kanal ein. Ein plötzliches tiefes Fallen des Barometers schien Sturm anzuzeigen, so daß der Kapitän es für geraten hielt, vorsichtig zu manövrieren; doch auch diese Gefahr war bald vorüber.
Dank der Liebenswürdigkeit unseres Kapitäns Jensen vergingen die Tage schnell, und alles war froh und guter Dinge. Zudem erhielten wir gutes Essen, was um so mehr in Betracht kam, als durch die Seeluft unser Appetit bedeutend gereizt wurde.