Blätter für literar. Unterhaltung.
Seifenblasen.
Moderne Märchen
von
Kurd Laßwitz.
Zweite, verm. Auflage. Eleg. brosch. 3.50 M., fein geb. 4.50 M.
Inhalt: Prolog. — Auf der Seifenblase. — Prinzessin Jaja. — Stäubchen. — Apoikis. — Aladdins Wunderlampe. — Aus dem Tagebuche einer Ameise. — Musen und Weise. — Unverwüstlich. — Der Schirm. — Der Traumfabrikant. — Psychotomie. — Mirax. — Tröpfchen. — Selbstbiographische Studien. — Epilog.
Das Buch ist eines der interessantesten Werke, die seit langem erschienen sind. Es sind keine Märchen im gewöhnlichen Sinne, und sie sind auch nicht für Kinder bestimmt, weil sie fast alle eine gewisse wissenschaftliche Bildung voraussetzen. Man könnte sie wissenschaftliche Märchen nennen, denn sie sind auf naturwissenschaftlichen Dingen aufgebaut, gehen naturwissenschaftlichen Hypothesen in ihren Einzelheiten nach, oder erweitern die vorhandene Natur in phantasievoller und phantastischer Weise. Der Verfasser verbindet die Naturwissenschaft und seine rege Phantasie so eng, und er weiß daraus so reizvolle Bilder zu gestalten, daß dem Buche in seiner Eigenart kein anderes an die Seite zu stellen geht. Märchen wie „Auf der Seifenblase“, „Apoikis“, „Aus dem Tagebuche einer Ameise“ sind Erzählungen, deren Reiz sich niemand entziehen kam; nicht weniger fesselnd sind eine ganze Reihe der übrigen Stücke des Buches. Leider ist es nicht möglich, im einzelnen auf den Inhalt dieser Märchen einzugehen, denn es würde an dieser Stelle zu weit führen. Nicht unerwähnt möge noch bleiben, daß gewisse satyrische Streiflichter auf diese oder jene Frage der Wissenschaft den Reiz des Buches noch wesentlich erhöhen. Wie sehr das prächtige Werk den Beifall des Publikums findet, zeigt schon die Thatsache, daß es in der kurzen Zeit seines Erscheinens bereits eine zweite Auflage erlebt hat. Die „Seifenblasen“ werden eine Zierde jedes Weihnachtstisches sein.
Dresdener Anzeiger 1894, Nr. 352.
Die tiefsten und eigenartigsten dieser Märchen sind unseres Erachtens die „Seifenblasen“. Moderne Märchen von Kurd Laßwitz, die in zweiter, vermehrter Auflage vorliegen. Nicht in mondscheinumwobene versunkene Zauberschlösser der Vergangenheit führt uns ihr Verfasser, nein, er schweift kühn in die noch verschlossenen Nebellande der Zukunft und verfolgt mit wissenschaftlichem Ernst die Wege weiter, welche die Wissenschaft unserer Tage eingeschlagen hat. Mit wunderbarem Scharfsinn löst er die schwierigsten Probleme und macht die weittragendsten Erfindungen, die zu verwirklichen es immer nur an irgend einer unbedeutenden Kleinigkeit mangelt: Die Apparate und Instrumente sind leider immer schon fertig; wie sie entstanden sind, das auszuführen, hält der Verfasser nicht weiter für nötig. Schade! Wir können hier nicht auf jedes einzelne Märchen näher eingehen, so verlockend es auch wäre, wollen aber nicht versäumen, unsere Leser mit aller Wärme auf diese Schöpfungen eines scharfen und satirischen Geistes hinzuweisen, der außer einem unbestechlichen Verstande noch eine reiche Phantasie, ein warmes Herz und hohes sittliches Pathos in sich vereinigt. Stücke wie „Apoikis“ und das „Tagebuch einer Ameise“, vor allem aber das tiefsinnige „Tröpfchen“ trifft man in der heutigen Literatur nicht oft. Den Inhalt dieser Märchen auch nur anzudeuten, ist bei ihrer Eigenart nicht möglich. Sie müssen gelesen werden. Wir hoffen, daß viele sie lesen.