An der Feierlichkeit der Weihe nahm die weite Umgegend den freudigsten Antheil. Die Schwarzenberger Bürgergarde marschirte schon Vormittags 10 Uhr auf den Platz, wo sie die Wachen versah und die Piquets ausstellte, um die Ankunft der hohen Beamten bei Zeiten zu erfahren. Mehr als 10,000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, erkletterten die Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden und erduldeten bei drückender Hitze unerschüttert Hunger und Durst. Nun marschirten die Schützencompagnien von Crottendorf vor dem Plateau des Brunnens auf; diesen folgten 230 Bergleute mit ihren Fahnen und Hautboisten und bildeten einen Halbkreis um die Pyramide. Um 1 Uhr donnerten Kanonen durchs Oswaldsthal, um die Ankunft hoher und niedrer Beamten aus verschiedenen Orten zu verkündigen. Die Offiziers von Zwickau und Schneeberg waren mit 36 Hautboisten schon zuvor angelangt, und wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung des geraubten Prinzen aufzufordern, so ertönten jetzt die Glocken auf den benachbarten Kirchen und riefen zu Dank und Freude über die glückliche Rettung des Geraubten und Erhaltung des hohen Fürstenhauses alle Herzen auf.
Die Feier begann mit dem Gesange eines Weiheliedes, welches der Herr Rektor Lange[89] zu Schwarzenberg dazu gedichtet hatte:
Seid uns gegrüßt der grauen Vorzeit Tage!
Euch suchet unser Blick!
Gesang ertöne! – Zu der Vorwelt trage
Begeisternd uns zurück!
Hier ist es, wo dem Vaterschloß entrissen
Auf Kunzens Räuberflucht
Der Fürstensohn, gequält von Hungerbissen,
Des Waldes Beere sucht;
Prinz Albert hier umringt von Todesschrecken
Dem wackern Schmidt sich naht,
Und leise Worte schüchtern ihm entdecken
Die grause Frevelthat.
Hier ists, wo dem Geraubten ach! so bange
Der Stahl des Mordes blitzt,
Und ihn mit hochgeschwungner, rußger Stange
Des Köhlers Arm beschützt.
Die Glockenstürme – und das Köhlerzeichen
Ruft Hilfe laut umher,
Und es erliegen unter Trillers Streichen
Die Räuber bandenschwer.
Gerettet ist der Fürstensohn – die Quelle
Erlabt den Durstgen hier,
Sie quillt uns heut' noch unversiegt und helle, –
Sie segnen heute wir!
Ein Denkmal soll die große That erneuen
Den Söhnen künftger Zeit,
Und Alberts Enkel, dem Gerechten[90], weihen
Es wir aus Dankbarkeit.
Der Herr Superintendent Dr. Lommatzsch[91] trat jetzt auf die mit Blumen bestreuten Stufen des Brunnens und sprach Worte der Weihe.[92] Ihm zur Rechten war die mit einem Eichenlaubkranze gezierte Büste des Königs Friedrich August aufgestellt und über ihr hingen Blumengewinde von der Pyramide herab. Nach Beendigung der Rede folgte wieder ein Gesang, gedichtet vom Herrn Postmeister und Gerichtsdirector Reiche zu Annaberg.[93]