Ansicht vom Denkmale u. Köhlerhause
Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg R. Böhme. lith. W. Bischert gedr.
Ansicht vom Denkmale u. Köhlerhause am Fürstenberge bei Grünhain
Trotz der größten Bemühungen der beiden vorgenannten Herren ging die Einsammlung sehr spärlich von statten, so daß an der völligen Erbauung einer Köhlerhütte so leicht nicht gedacht werden konnte, als unser allverehrtes Fürstenhaus, welches nie seine milde Hand sinken läßt, zu dem Unternehmen wahrhaft königl. beisteuerte[95], wodurch erst das begonnene Werk lebhaft von Statten gehen konnte, und schon sollte nun die Hütte gehoben werden, als den hiesigen Gebirgsbewohnern, so wie allen treuen Sachsen die große Freude zu Theil wurde, ihren allgeliebten König[96], nebst dessen hochverehrter Frau Gemahlin der Königin[97] in ihrer Mitte sehen zu dürfen.
Nachdem beide Majestäten den 10. Septbr. 1838 in Annaberg übernachtet hatten, kam Se. Majestät der König am 11. Septbr. über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den dasigen Klostergarten in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängniß, Fuchsthurm genannt, zu sehen ist, in welchem Kunz v. Kauffungen vom Abt Liborius festgehalten wurde, und ritt sodann nach Gottesgeschick[98], um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, welche von Scheibenberg kommend, hier das daselbst befindliche Bergwerk in Augenschein zu nehmen, geruht hatte, abzuholen, um gemeinschaftlich von da auf den Fürstenbrunnen zu fahren.
Hier hatte sich schon unter Leitung des Herrn Pastor M. Richter und der beiden Lehrer der Bürgerschule zu Grünhain, Herr Rektor Hecker und Herr Cantor Günther die Grünhainer Schuljugend versammelt, als auch der dasige Frauenverein, unter Leitung der damaligen Vorsteherin desselben, der Frau Rentamtmann von Schleinitz so wie viele tausend Menschen, um das edele Regentenpaar zu empfangen. Sobald die hohen Herrschaften, geleitet von dem Amtshauptmann des Bezirks, den Domherrn Freiherrn von Biedermann auf Niederforchheim, angekommen waren und geruht hatten aus dem Wagen zu steigen, gingen 12 Grünhainer Mädchen weiß gekleidet dem hohen Herrscherpaare voran, indem sie demselben Blumen auf den Weg streuten und zugleich brachten die Bergleute von den Werken Gottesgeschick und Graul[99], welche eine Haie bis in die Nähe des Brunnens bildeten, ein freudiges: »Glück auf!« aus. Hierauf nahte sich Einer[100] von den sieben Köhlern, die sich dort versammelt hatten, um dem hohen Regentenpaare folgendes Gedicht[101] vorzutragen:
Muß ich, mein König, mich nicht heute freuen,
Daß dieser Tag mir aufgegangen ist?
Ich, Einer von den Tausenden Getreuen,
Der Dich als Wächter ehrerbietig grüßt. –
Sah' an der Quelle Jahre geh'n und kommen;
Doch meinen König hieß ich nicht willkommen.
Laß es gescheh'n, daß ich Dir hier verkünde,
Was vor Jahrhunderten mein Auge sah' –
Wenn ich vor Dir das rechte Wort nicht finde,
So ist wohl Deine Gnad' und Huld mir nah –
Drum hell Dich auf, Du Dunkel grauer Zeiten,
Zu Dir will mich Erinn'rung jetzt geleiten.
Hier an der Quell mußt ich mit seinen Händen
Prinz Albert durstig Labung suchen seh'n,
Es mußte mich, ich glaub's, in seine Nähe senden
Der fernen Mutter still vernommnes Flehn.
O, rette mich! – sprach er – und voll Vertrauen
Sah ich den Prinzen mir ins Auge schauen.
Den Schürbaum hier, das war nur meine Waffe,
Vor welcher Kunz, der Räuber, furchtsam floh.
Bleib weilend hier mein Prinz, daß ich Dir Hilfe schaffe!
Sprach ich – bald war er seiner Rettung froh;
Denn sieh'! geschlagen schon in festen Banden
Die Meinen bald den Prinzenräuber fanden.
Seit dieser Zeit bewach' ich diese Quelle,
Die Deinen Ahnherrn Rettungshafen ward,
Des Waldes Saum ist meines Hauses Schwelle,
Das Moos, das Lager, welches meiner harrt,
Und drüber hat mein Gott ein Dach gebauet,
In das mit Lust mein Aug' am Abend schauet.