Blake segelte am 7. Juli nach Norden mit nunmehr 39 Kriegsschiffen, 2 Brandern, 2 Schaluppen und 18 armierten Kauffahrern; Ayscue blieb mit nur 14 Schiffen, wovon die Hälfte Kauffahrer, in den Downs zurück; die Absicht, ihn von der Themse aus zu verstärken, mußte aufgegeben werden, da Tromp an der Küste erschien.

Tromp, der jetzt auch den Befehl erhalten hatte, den Feind nach Möglichkeit zu schädigen, wurde von dem aus London zurückkehrenden Gesandten über Ayscues Schwäche unterrichtet und beschloß, diesen anzugreifen. Tromps Flotte war 92 Segel stark: 20 Kriegsschiffe (30–40 Kanonen), 12 kleinere (Fregatten, 8–10 Kanonen), 6 Brander und 54 armierte Kauffahrer. Sein Angriff, von Norden bei günstigem Winde angesetzt, mißlang jedoch, da Ayscue dicht unter Land, geschützt durch das Kastell von Deal und verschiedene behelfsmäßige Batterien unmittelbar am Strande, lag und der Wind sich zu seinen Gunsten änderte. Tromp folgte nun Blake, kam aber auch hier zu spät; bereits war die holländische Fischerflotte vor dem Firth of Moray in alle Winde zersprengt, die 13 schützenden kleinen Kriegsschiffe (Fregatten) waren bis auf eins genommen und ebenso etwa 100 Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann; diese wurden jedoch von Blake wieder freigegeben, um seine Flotte nicht zu schwächen, als er weiter bis zu den Shetlands segelte. Hier fand ihn Tromp am 5. August, es kam aber nicht zum Gefecht, weil ein schwerer NW.-Sturm einsetzte. Die englische Flotte fand Schutz unter Land, die holländische litt schwer. Nur mit 39 Schiffen kehrte Tromp nach Holland zurück; von den übrigen war ein Teil gesunken, der Rest stark beschädigt und zerstreut, und die Heimkehr der letzten Schiffe zog sich bis in den September hinein.

Der Vergleich der beiden Flotten hier zeigt deutlich die mehrfach erwähnte Schwäche Hollands. Bei Blake kamen auf 41 Kriegsschiffe 18 Kauffahrer, bei Tromp auf 32 aber 54.

Blake folgte zwar der holländischen Flotte, aber er verfolgte sie nicht. Tromp wurde nach seiner Rückkehr vom Kommando entsetzt: er hatte den endgültigen Bruch herbeigeführt, den Handel nicht schützen können, gegen die feindliche Flotte nichts erreicht und endlich die halbe Flotte verloren; außerdem war er als Anhänger der Oranier der Regierung unbequem. An seine Stelle trat Witte de Witt als Oberbefehlshaber und unter ihm Ruyter.

Die Kriegserklärung. Gefecht bei Plymouth am 26. August 1652. Erst am 28. Juli war der Krieg erklärt. Das Bisherige war eigentlich nur ein Vorspiel gewesen; auch der kleine Krieg, das Aufbringen von Handelsschiffen durch Kreuzer und Kaper, hatte lange schon vor der Kriegserklärung begonnen. Auch hierin war England durch seine größeren Schiffe im Vorteil; eine holländische Verfügung, die verbot, Kaperbriefe an Schiffe unter 200 tons und unter 20 Geschütze zur eigenen Sicherheit dieser auszugeben, mußte wegen Mangels an besserem Material zurückgezogen werden. Die kriegerischen Unternehmungen nach der Kriegserklärung trugen zunächst denselben Charakter wie die des Vorspiels, nämlich: Schutz des eigenen Handels, Bedrohung des feindlichen. Auf englischer Seite wurde Ayscue zu diesem Zweck nach dem Westen des Kanals gesandt, Blake stand mit der Hauptmacht im Osten. Von beiden Nationen kreuzten zahlreiche einzelne Schiffe zum Aufbringen feindlicher Kauffahrer und zur Warnung der eigenen.

Auf holländischer Seite erhielt Ruyter den Befehl, mit einem Geschwader, das während Tromps letzter Fahrt ausgerüstet war, 50–60 nach auswärts bestimmte Handelsschiffe durch den Kanal zu geleiten.

Michael de Ruyter,[102] 1607 zu Vlissingen in dürftigen Verhältnissen geboren, ging mit 11 Jahren als Kauffahrtei-Schiffsjunge zur See, kurze Zeit diente er auch im Heere und 1637 führte er einen Kaper gegen Frankreich. 1640 trat er in den Staatsdienst und wurde der hervorragendste Admiral der Niederlande. Er war unerschrocken, beharrlich, umsichtig, pflichttreu und ein vorzüglicher Seemann; politisch gemäßigter Republikaner. Sein liebenswürdiger, einfacher und doch vornehmer Charakter erwarb ihm die Hochachtung seiner Gegner, die Liebe seiner Untergebenen. Er fiel 1676 als Leutnant-Admiral-General bei Agosta und wurde in Holland mit fürstlichen Ehren unter Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung begraben.[103]

Ruyter übernahm das Kommando nur ungern;[104] 1652 zum dritten Male verehelicht, hatte er sich vom Seefahren zurückziehen wollen. Auch scheinen ihm der[206] schlechte Zustand der Flotte sowie das Parteiwesen, das in ihr wie im Lande herrschte, Bedenken gemacht zu haben; nur durch Anruf seiner Vaterlandsliebe ward er gewonnen.

Als Ruyter das Kommando am 10. August übernahm, bestand die Flotte nur aus 15 Schiffen. Er erklärte verschiedentlich, mit so wenigen und außerdem den Schiffen der Feinde an Stärke nachstehenden Fahrzeugen die Aufgabe nicht ausführen zu können; er hatte nämlich Angaben über die Stärke Ayscues, die allerdings hinsichtlich der Größe der Schiffe übertrieben waren. Während er bis zum 21. August auf die zu begleitenden Kauffahrer wartete, wurde seine Flotte durch zwei Nachschübe verstärkt. Am genannten Tage segelte er von Gravelines mit großer Vorsicht und mit Verwendung zahlreicher Aufklärungsschiffe den Kanal hinab. Am 26. August traf er südlich von Plymouth in der Mitte des Kanals auf Ayscue und beide Teile gingen sofort zum Angriff über.

Ruyters Flotte bestand aus 30 Kriegsschiffen:[A] 16 zu 28–26 Kanonen mit 120–180 Mann (nur das Flaggschiff „Neptun“ hatte bei 28 Kanonen 134 Mann); 4 zu 24 Kanonen, 70–100 Mann; 2 unbekannter Größe; 6 zu 30 Kanonen, 100–110 Mann; 2 zu 40 Kanonen, 200 Mann. Die beiden zu 40 Kanonen waren Schiffe der ostindischen Kompagnie; aber auch sonst werden Kauffahrer darunter gewesen sein, so z. B. die 30 Kanonenschiffe, die eine so geringe Zahl an Mannschaften im Verhältnis zur Kanonenzahl haben. Ein Vergleich der genauen Liste aller Schiffe Ruyters[105][**gleiche Fußn.] mit englischen Listen, z. B. für Dover oder später Northforeland, zeigt, wieviel schwächer die Holländer armiert und bemannt waren. Ein englisches Schiff von 36 Kanonen (allerdings überarmiert) entsprach an Größe vielleicht einem holländischen von 28 Kanonen; jenes hatte 120–160 Mann, dieses nur 80–120 Besatzung. Hinzu traten noch 3 Gallioten und 6 Brander. Von den Schiffen seines Konvois wählte Ruyter ferner etwa 20 verhältnismäßig stark armierte aus und stellte sie in die Gefechtsformation, die üblichen drei Geschwadergruppen, ein; den Rest sandte er nach Lee. Die Brander wurden zu je 2 auf die Geschwader verteilt mit dem Befehl, die größten Schiffe des Feindes anzugreifen; die Gallioten waren beauftragt, brennenden oder sinkenden Schiffen Hilfe zu leisten.