Die Aufstellung der neuen Flotte erfolgte unter Tromp in der Maas und unter de Witt in der Texelmündung; die nächste Aufgabe der beiden Führer war, sich zu vereinigen. Am 3. August ging Tromp mit 80–90 Schiffen und 5 Brandern in See, er hielt sich mehrere Tage vor der Maasmündung und segelte dann an der Küste entlang, die Engländer zu suchen. Diese hatten, vor Texel liegend, am 5. August bemerkt, daß de Witt seine Kräfte, 27 Schiffe nebst 4 Brandern, bei Helder dicht an der Mündung zusammengezogen hatte, um jede günstige Gelegenheit (z. B. Nebel) zum Auslaufen benutzen zu können. Moncks[129] Kriegsrat beschloß deshalb am 7. August, mit der ganzen Flotte Tromp entgegenzusegeln und seine Vereinigung mit de Witt zu hindern. Man ging am Abend Anker auf und sichtete am 8. August vormittags Tromps Flotte auf der Höhe von Egmond, etwa 20 Seemeilen südlich von Texel. Die englische Flotte war durch Nachschub an Stelle der ausbesserungsbedürftigen Schiffe etwa gerade so stark wie bei Northforeland, also rund 100 Segel, nach Tromps Bericht vom 8.: 90 größere, 26 kleinere Fahrzeuge.
Tromp steuerte nördlich bei Westsüdwestwind, er würde also die Luvstellung gehabt haben; zunächst lief er auch noch etwas weiter, als aber der Wind nach Nordwesten drehte, wendete er und steuerte an der Küste entlang südlich, denn seine Absicht war, den Feind von der Texelmündung abzuziehen, um de Witts Auslaufen zu erleichtern, und deshalb vorläufig ein Gefecht zu vermeiden. Die Engländer folgten scharf und griffen um 5 Uhr mit ihren schnellsten Schiffen (den neuen Fregatten) die letzten holländischen, schlechte Segler,[130] auf der Höhe von Kattwijk an. Von englischer Seite kamen nach und nach an 30 Schiffe heran, die Holländer unterstützten ihrerseits die angegriffenen Kameraden nach Kräften. So nahm das Gefecht weit größere Ausdehnung an, als Tromp beabsichtigt hatte; alle Flaggschiffe waren beteiligt und erlitten schwere Verluste. Wie gewöhnlich trennte erst die Dunkelheit die Gegner. Es war Tromp nicht gelungen, ein Gefecht ganz zu vermeiden und seine Flotte unversehrt zu erhalten, doch war es nicht zu einer entscheidenden Schlacht gekommen, und de Witt war entsetzt; dieser war in der letzten Nacht in See gegangen, nachdem er das Fahrwasser durch Boote mit Laternen und Fackeln ausgebojt hatte.
Am 9. August wehte es hart aus Nordwesten, beide Flotten hatten genug zu tun, sich von der Leeküste freizuhalten. So kam es zu keinem ernsten Schlage; ein großer Vorteil für die Holländer, da de Witt Zeit gewann, heranzukommen. Tromp näherte sich zwar morgens mit einigen Schiffen und wechselte Schüsse, er ging aber wieder auf seine Flotte zurück, als der Feind Miene machte, das Gefecht ernstlich aufzunehmen. Um 5 Uhr nachmittags stieß de Witt zu ihm. Die Gegner blieben die Nacht über in größter Nähe. Am 10. August hatte der Wind abgeflaut und war nach Süd gegangen. Die Flotten lagen bei Scheveningen, beide gingen um 7 Uhr zum Angriff vor; die Schlacht wurde gleich allgemein und sollte die letzte und blutigste des ersten Krieges werden.
Leider sind auch über diese Schlacht die Schilderungen widersprechend[131] und nicht in Einklang zu bringen. Es ist dies wiederum zu bedauern, weil man aus den Andeutungen schließen kann, daß auf beiden Seiten eine gut rangierte Formation eingenommen war, daß diese englischerseits gut aufrecht erhalten wurde, und daß auch mehrfach wohldurchdachte taktische Manöver ausgeführt sind. Es sei über den Verlauf nachstehendes als wahrscheinlich erwähnt.
Beide Gegner waren in Flottenkiellinie aus Schiffsgruppen formiert, auf holländischer Seite führte Tromp an der Spitze. Vor dem Zusammenstoß gelingt es ihm mit den meisten Schiffen, nur einige Nachzügler abgerechnet, die Luvstellung zu gewinnen. Er hält jedoch diese Stellung nicht durch, sondern bricht in die feindliche Linie ein. Es war aber nicht das Durchbrechen, um einen Teil des Feindes abzuschneiden, sondern nach altem Brauch ein Einbrechen, Zurücksegeln und Wiedereinbrechen. Die holländischen Quellen der Zeit heben ausdrücklich hervor, daß viele Schiffe „3 bis 4 mal wie bei den Ruderschiffen“ die feindliche Linie durchbrochen hätten. Sein Flaggschiff „Brederode“ wird dabei schlecht unterstützt und leidet schwer unter konzentriertem Feuer. Als sich der dichte Pulverdampf einen Augenblick lichtet, weht an Bord die Flagge für Kriegsrat. Die holländischen Flaggoffiziere, die in der Nähe sind, eilen an Bord und finden Tromp durch eine Musketenkugel getötet. Es wird beschlossen, seine Flagge wehen zu lassen, um die Holländer nicht zu entmutigen, die Engländer dagegen anzuspornen. Jan Evertsen übernimmt den Oberbefehl.
Der Kampf wird mit äußerster Erbitterung fortgesetzt. Bis gegen 1 Uhr mittags stehen die Chancen gleich; die Holländer sind mit den meisten Schiffen immer noch zu Luward und verwenden von hier aus ihre Brander mit Geschick und Erfolg besonders gegen die feindlichen Flaggschiffe. 2 englische Schiffe werden verbrannt, 2 Admiralschiffe leiden schwer durch Feuer; Admiral Graves verbrennt, Peacock stirbt später an den Brandwunden. Aber auch die Holländer haben starke Verluste, Ruyters und Evertsens Schiffe müssen entmastet nach der Maasmündung geschleppt werden. Gegen 1 Uhr gewinnen die Engländer, scheinbar noch wohl geordnet, die Luvstellung, die holländischen Nachzügler in Lee kommen dadurch noch weiter ab und halten sich dann absichtlich fern. Die Hauptmacht, jetzt unter de Witts Oberbefehl, versucht wieder nach Luward zu gelangen; da dies nicht gelingt, hält es de Witt für richtiger, nur hinhaltend zu fechten, um die Schlacht abzubrechen; bald aber kann er nur noch mit einigen dreißig wacker fechtenden Schiffen die Flucht der anderen decken. Er feuert auf die Fliehenden und ruft aus: „Hätte man die Kommandanten gehängt, als sie es früher getan, so könnten sie es jetzt nicht wieder tun!“ Mit Munitionsmangel konnte sich dieses Mal niemand entschuldigen, auf Drängen der Admirale waren der Flotte Munitionsschiffe mitgegeben worden. Um 8 Uhr abends wird die Flucht allgemein; die Schiffe setzen Untersegel und was sie sonst tragen können und steuern der Texelmündung zu. Die Engländer verfolgen bei hellem Mondschein bis Mitternacht aber doch nur lau, auch sie müssen zunächst ihre schwer beschädigten Schiffe von der Küste freisegeln. Am 11. August melden die englischen Aufklärungsschiffe das Einlaufen des Feindes in den Texel, und Monck führt seine Flotte nach Yarmouth, da sie nicht imstande ist, länger die See zu halten.
Die Verluste waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer haben nach eigenen (de Witts) Angaben 14 Schiffe verloren (wahrscheinlich sind darin 5 eingerechnet, die nur sehr schwer havariert waren), 500 Tote, 700 Verwundete, 700 Gefangene; die englischen Angaben über den Verlust des Gegners gehen sogar bis zu 26 Schiffen, 4000 Toten und Verwundeten (8 Kommandanten) und 1300 Gefangenen (1 Admiral und 4 Kommandanten).
Die Engländer verloren nach den eigenen Angaben wenigstens 250 (nach „Penn“) oder 400 Tote (2 Admirale, 5 Kommandanten), 700 Verwundete und 2 Schiffe; holländischerseits werden als englischer Verlust 8–11 Schiffe, worin wohl auch die halbverbrannten oder sonst schwerbeschädigten eingerechnet sind, und bis zu 3000 Tote und Verwundete angegeben. Aber kein holländisches Schiff war genommen und auch die englische Flotte war genötigt, die Häfen aufzusuchen.
Wie schwer die Verluste der holländischen Schiffe waren, die wacker durchgehalten hatten, zeigt Ruyters Flaggschiff: 43 Tote, 53 Verwundete von 150 Mann Besatzung; Groß- und Fockmast über Bord.
Die holländischen Gefangenen waren sämtlich von den sinkenden Schiffen aufgefischt. Es ist behauptet, Monck habe befohlen, keine Prisen zu machen und keinen Pardon zu geben. Dies ist nicht erwiesen; wahrscheinlich ist, daß er erklärt hat, es sei richtiger, die feindliche Flotte zu vernichten, als durch Besetzen von Schiffen Kraft und Ordnung der eigenen Flotte zu gefährden.[132]