Tromp war, wie erwähnt, weiter zurückgeblieben. In die so entstandene Lücke der holländischen Linie brach nun die englische Nachhut (Smyth) ein — so sagt Ruyter in seinem Bericht; er wirft auch Tromp vor, das Zurückbleiben selbst verschuldet zu haben — oder Tromp manövrierte daraufhin, seinen Gegner von dessen Hauptmacht abzuschneiden, oder wie am zweiten Tage der Viertageschlacht zu Luward von diesem und überhaupt schneller an den Feind zu kommen — so sagt Tromp in seinem Rechtfertigungsbericht. Jedenfalls entspann sich zwischen den beiden Nachhuten ein besonderes Gefecht, das sich zunächst über Backbord-Bug mehr und mehr vom Hauptschlachtfelde fortzog. Smyth soll dies mit Absicht herbeigeführt haben, da sein Geschwader das schwächste der englischen Flotte, dagegen das Tromps (das Amsterdam-Kontingent) das mächtigste der holländischen war. Tromp war auch im Vorteil, ein großes englisches Schiff ("Resolution“ 62) wurde verbrannt. Er ließ sich immer mehr verlocken, verfolgte den Gegner immer weiter, scheinbar später mit westlichem Winde, nach Nordosten hin, so daß die Hauptflotten schließlich aus Sicht kamen. Erst am anderen Morgen brach er das Gefecht in der Nähe von Galloper ab und suchte seine Flotte wieder auf; den nun seinerseits hart folgenden Smyth hinter sich, entging er nur durch Zufall der Gefahr, von diesem und der englischen Hauptflotte in die Mitte genommen zu werden.
Am Morgen des 5. August sah sich Ruyter mit nur 7 oder 8 Schiffen von den Engländern mit einigen zwanzig Segeln zu Luward, in Lee und achtern im Halbmond umgeben und wieder angegriffen; vor ihm liefen seine übrigen Schiffe und die der Vorhut auf die Wielinge zu und waren durch kein Signal zum Stehen zu bringen. Tapfer fechtend deckte er das Einlaufen der Fliehenden zwischen die Bänke; der Angriff richtete sich besonders auf sein eigenes Schiff, ein Brander konnte nur durch seine und der nächsten Fahrzeuge Boote abgeschlagen werden. Als auch er eingelaufen war, sandte er sofort ein kleineres Geschwader wieder in See, um Versprengte aufzunehmen. Tromp traf erst am 6. auf der Rhede ein; sein Einlaufen wurde nicht gehindert, da die Engländer zu weit in Lee standen.
Die Schlacht war eine völlige Niederlage der Holländer. Doch scheint ihr Verlust nicht so bedeutend gewesen zu sein. Englische Quellen geben ihn zwar auf 20 Schiffe (genommene werden aber nicht erwähnt) und 7000 Tote und Verwundete an, aber die Holländer selbst sprechen nur von 2 Schiffen und z. B. bei der Mitte nur von 518 Mann. Die eigenen Verluste beziffern die Engländer auf ein Schiff und 300 Mann. Die Gründe der holländischen Niederlage waren: Die mangelnde Ordnung — in diesem Falle allerdings wohl den ungünstigen Windverhältnissen beim Ankerlichten zuzuschreiben —, die nach dem Fall der Führer eingerissene Mutlosigkeit in der Vorhut — der alte Mangel an militärischer Einsicht und Gefühl, sowie die mangelnde Erziehung zu einer Flottendisziplin — endlich das Verhalten Tromps.
Es wurde denn auch gegen mehrere Kommandanten der Vorhut die Untersuchung eingeleitet, jedoch nicht ernstlich durchgeführt. Tromp wurde verabschiedet, allerdings auf sein Gesuch. Man war sich doch klar geworden, daß der im übrigen so tüchtige Mann mit Ruyter nicht zusammenwirken könne. Da er sich auch sonst oft eigensinnig gezeigt hatte und weil er Oranier war, bedauerte die Regierung seinen Verlust nicht allzusehr. Ruyters Verdienst, die Rettung der Flotte vor gänzlicher Vernichtung durch seine Rückzugsgefechte an beiden Tagen, wurde dagegen allgemein anerkannt; sogar Ludwig XIV. verlieh ihm einen hohen militärischen Orden.
Ruyter beschuldigte Tromp, dem er die Hauptschuld der Niederlage zuschrieb, schwer. Wie mißlich er die Lage der Flotte angesehen, geht daraus hervor, daß er im Gefecht am zweiten Tage ausrief: „Will denn keine der tausend Kugeln mich treffen.“ Auf den Vorschlag seines Schwiegersohnes aber, dem Feinde entgegenzugehen und einen ehrenvollen Tod zu suchen, antwortete er, es sei seine erste Pflicht, die Fliehenden zu decken und auch die Schiffe bei ihm dem Vaterlande zu erhalten. Ferner sagt er in seinem Berichte, am zweiten Tage habe er die völlige Vernichtung der Flotte vor Augen gesehen, nur die lauer werdende Verfolgung — wohl die Besorgnis der Engländer vor den nahen Sänden — habe eine solche verhindert.
Er warf nun Tromp vor, durch eigene Schuld sein Zurückbleiben veranlaßt zu haben; auch später habe dieser immer noch das Gefecht rechtzeitig abbrechen und leicht, da er zu Luward stand, mit seinem so starken Geschwader zur Unterstützung herankommen können. Es wurden in Holland selbst Stimmen laut, Tromp habe böswillig aus Eifersucht und Haß gegen Ruyter, ja sogar aus politischen Gründen so gehandelt, da er Oranier, Ruyter dagegen eifriger Anhänger de Witts war. Es ist aber anzunehmen, und so auch aus Tromps Rechtfertigungsbericht zu lesen, daß es wieder ein Ausfluß seines Ehrgeizes und seines hitzigen Temperamentes gewesen ist: Durch die Umstände zuerst zurückgehalten — Windstille beim Ankerlichten, während die beiden andern Geschwader leichten Wind hatten und absegelten —, versucht er dann ohne Rücksicht auf die Flotte, möglichst schnell an den Feind zu kommen. Durch den ersten Erfolg berauscht, beißt er sich fest, in der Hoffnung, die englische Nachhut gänzlich zu vernichten. Er hielt Ruyter für genügend stark an sich (eigener Ausspruch); auch seine Unterführer haben später ausgesagt, mit dem Vorgehen ihres Chefs ganz einverstanden gewesen zu sein. Sein Hauptfehler war, daß er ohne Befehl und Wissen Ruyters gehandelt und daß er nicht rechtzeitig abgebrochen hat.
Zwar war er ein Gegner Ruyters und Oranier, aber es ist kein Beweis vorhanden, daß es ihm an Vaterlandsliebe selbst bei einer ihm unsympathischen Regierung mangelte. Als er nach seiner Verabschiedung ein sehr vorteilhaftes Anerbieten erhielt, in französische Dienste zu treten, lehnte er es ab und zog sich vorläufig ins Privatleben zurück.
Die Engländer waren nach der Schlacht die Herren der See und benutzten dies zu einem Unternehmen gegen die Küste. Nachdem sie einige Tage bei Schooneveld-Bank, einem beliebten Ankerplatz der Holländer, zu Anker gelegen und von hier aus die feindliche Flotte in den Wielingen beobachtet hatten, gingen sie nördlich, brachten Kauffahrer auf und alarmierten die Küste. Auf dem Wege erfuhren sie von einem kassierten früheren holländischen Kapitän, daß in dem Vlie-Strome, zwischen Vlieland und Terschelling, eine große Zahl reichbeladener Kauffahrer von nur zwei Kriegsschiffen gedeckt läge und daß wertvolle Magazine des Staates und der ostindischen Kompagnie auf genannten beiden Inseln leicht zu zerstören seien. Kontreadmiral Holmes, uns schon von Westafrika her bekannt, wurde am 18. August mit 9 kleineren Kriegsschiffen, 7 leichten Fahrzeugen und 5 Brandern zu einem Angriff auf diese Objekte abgeschickt. Holmes legte die beiden schwersten Schiffe vor die Einfahrt, um jedes Entweichen nach See zu verhindern, ließ durch ein leichtes Schiff Fahrwasser und Lage der Dinge erkunden und ging dann am 19. trotz Gegenwindes und schwieriger Navigation auf die Rhede von Terschelling. Hier setzte er mittels der Brander die Kriegsschiffe und schwersten Kauffahrer, durch seine Boote die übrigen Fahrzeuge — in Summe etwa 150 Segel — in Brand. Am nächsten Tage landete er auf Terschelling und legte eine größere Stadt mit Magazinen sowie verschiedene Ortschaften am Strande in Asche; von einem Unternehmen gegen Vlieland mußte des Wetters wegen abgesehen werden. Da man zu einem zweiten Versuch oder sonstigen weiteren Unternehmungen der Gezeiten wegen länger hätte warten müssen und eine dem Auslaufen ungünstige Windänderung fürchtete, ging Holmes zu seiner Flotte zurück.