In den Auslassungen über die Entwicklung des Seekriegswesens mußte auf Kürzung und Zusammenfassung besonderes Gewicht gelegt werden, so daß Unvollständigkeiten sich hier nicht vermeiden ließen. Auch ist der Anlage des Buches entsprechend die Entwicklung der Marinen nur für die drei großen Seemächte genauer durchgeführt, über die der anderen Staaten sind nur die notwendigsten Angaben gebracht.
Um noch größere Nachsicht muß ich in Betreff der Betrachtungen bitten, die sich auf die politischen Verhältnisse beziehen. Dem Einfluß, den die Seekriege auf die Geschichte gehabt haben, wird in den allgemeinen Geschichtswerken kaum je genügend Rechnung getragen, anderseits sind in den Werken über Seekriegsgeschichte die politischen Verhältnisse meist völlig übergangen; erst in neuerer Zeit ist jene Wirkung der Seekriege zum Gegenstand eingehender Forschung geworden, wie vor allem die bekannten Werke des Captain Mahan über den „Einfluß der Seemacht auf die Geschichte“ bezeugen. Seinem Beispiel folgend habe ich versucht, die politischen Verhältnisse, unter denen die Seekriege geführt sind, und ihre Folgen klarzulegen; wohl wissend, daß meine Kenntnisse nicht hinreichen, hierin Vollkommenes oder auch nur Neues zu bieten.
Bei der Bearbeitung der Kriege war ich bestrebt, die Quellenwerke — englische, französische und auch holländische — die häufig national gefärbt erscheinen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um ein unparteiisches Urteil zu gewinnen; waren Auslassungen oder Angaben in zwei sonst schätzbaren Werken nicht in Einklang zu bringen, so gebe ich sie aus beiden. Außergewöhnlich hohe Angaben über Stärke und Verluste der Streitkräfte, wie sie besonders in den ersten großen Kriegen von einigen Autoren der gegnerischen Seite gemacht werden, schließe ich von der Wiedergabe ganz aus.
Den zweiten Band, der die Zeit von 1740–1815 umfassen wird, hoffe ich in nicht zu langer Frist folgen lassen zu können.
Wenn auch der Inhalt des Werkes in erster Linie allen denen, die in enger Beziehung zu maritimen Berufen stehen, Interesse bieten dürfte, so geht mein Wunsch doch auch dahin, daß es gleichfalls im Laienpublikum, dessen Verständnis für alle maritimen Fragen in erfreulichem Wachsen begriffen ist, Aufnahme finden und Belehrung und Aufklärung ermöglichen möchte.
Hannover, Herbst 1906.
Rittmeyer
Kontre-Admiral z. D.