Francis Drake.

Von England aus unternahm schon zwischen 1530 und 1540 William Hawkins mit einem Schiff von 250 tons drei erfolgreiche Reisen nach Guinea und Brasilien und brachte Gold, Elfenbein und wertvolle Naturerzeugnisse heim. Seinem Beispiele folgten andere; lange Fahrten, schlechte Verpflegung, Skorbut, außer den Gefahren zur See Zusammenstöße mit den Portugiesen machten auch diese Reisen zu einer Schule für die englischen Seeleute, besonders für die Kapitäne. Die Unternehmungen mehrten sich unter Elisabeth, die ja auch die Entdeckungen im Norden und die Hochseefischerei förderte, und wurden bald in kleinen Geschwadern und mit größeren Schiffen ausgeführt. Sie erzielten besonders großen Gewinn, als mit ihnen der Negerhandel von Afrika nach Westindien verbunden wurde. 1562 brachte John Hawkins, Sohn des eben Genannten, mit 3 Schiffen zu 120 und 100 tons die ersten Sklaven hinüber, 1565 mit 4 Schiffen, worunter schon eins von 700 tons war. Auf einer dritten Reise 1568 hören wir, daß sich die Engländer zum ersten Male die Erlaubnis zum Handel in Rio de la Hacha und Cartagena mit Waffengewalt erzwingen und infolgedessen in San Juan de Ulloa, Mexiko, von den Spaniern überfallen und teilweise vernichtet werden. Damit beginnt die englische Freibeuterei[31] in größerem Maßstabe. Einer ihrer berühmtesten Führer, Francis Drake, war Kapitän eines der Schiffe Hawkins' gewesen; er soll den Spaniern Rache geschworen haben für die grausame Behandlung seiner Kameraden, die der Inquisition in die Hände gefallen waren. Es heißt in England: „Ob Krieg ob Friede zwischen England und Spanien, Krieg zwischen Drake und den Landsleuten der Inquisition war stets hinfort.“

Im Jahre 1572 erschien er mit drei kleinen Schiffen — zu 70, 25 tons und einem noch kleineren — sowie drei auseinanderzunehmenden Pinassen, wozu noch ein einzelner Freibeuter stieß, am Isthmus von Panama und griff Nombre de Dios an, von wo aus die Reichtümer Perus nach Europa verschifft wurden. Abgeschlagen gelang es ihm dennoch, mit Hilfe von entlaufenen Sklaven (Indianern), auf dem Isthmus den Silbertransport abzufangen. Bei dieser Gelegenheit sah er den Stillen Ozean und betete zu Gott, „to give him life and leave, once to sail an english ship on that sea.“

Als ein Beispiel der Kühnheit englischer Freibeuter dieser Zeit folgender Vorfall: Drake kehrte nach England als reicher Mann zurück und tat einige Jahre in Irland Dienst. In dieser Zeit rüstete sein Leutnant John Oxenham ein Schiff von 140 tons aus, um das eben gelungene Wagnis zu wiederholen. Da er hörte, daß die Transporte jetzt stets von starker Bedeckung begleitet würden, beschloß er, sich der Schätze Perus schon auf dem Wege nach Panama zu bemächtigen. Er marschierte über den Isthmus, baute an der Westküste eine Pinasse und fing wirklich im Stillen Ozean, den er also als erster Engländer befuhr, zwei reichbeladene Schiffe. Da er aber die Besatzung entkommen ließ, wurde er vor seinem Rückmarsch über den Isthmus überfallen, ein Teil seiner Leute blieb im heftigen Kampf, er selbst mit dem Rest wurde in die Bergwerke von Lima geschickt.

Im Jahre 1577 erhielt Drake die Mittel, seine Hoffnung zu erfüllen. Er segelte am 13. Dezember mit fünf Schiffen — sein Flaggschiff „Pelican“, auf der Reise „Golden Hind“ umgetauft, zu 100 tons, ferner je eins zu 80, 30, 50, und 15 tons —, aber ein Sturm nach Passieren der Magalhaesstraße zerstreute das Geschwader; zwei Schiffe gingen verloren, zwei kehrten nach England zurück, und nur mit dem Flaggschiff erreichte Drake Callao. Während seiner weiteren Fahrt nahm er zwei reiche Kauffahrer weg und suchte die Küste bis 48° N. Breite, weiter als die Spanier bisher gekommen waren, nach einer Durchfahrt ab; dann segelte er als erster englischer Weltumfahrer durch den Stillen und den Indischen Ozean heim. Am 26. September 1580 traf er in Plymouth ein; die Königin Elisabeth speiste bei ihm an Bord des „Golden Hind“ und schlug ihn zum Ritter.

Dieses erste Erscheinen der Engländer im Stillen Ozean erregte natürlich in Spanien und seinen Kolonien Furcht und Zorn, doch beantwortete Elisabeth einen Protest dagegen mit der Erklärung, sie erkenne die durch Bullen verliehenen Rechte nicht an und würde nur wirklich besetztes Land als spanisches Eigentum achten. Spanien machte infolgedessen Versuche, die östliche Einsegelung in die Magalhaesstraße durch befestigte Niederlassungen zu sperren und spätere Expeditionen schon im Atlantik abzufangen. Solche Expeditionen folgten bald.

1582: 1 Schiff zu 400, 1 zu 300, 1 zu 40 tons, eine Pinasse; doch mußte man nach Zusammenstoß mit den Spaniern schon in Brasilien umkehren; 1586: 1 zu 120, 1 zu 60, 1 zu 40 tons; man kam bis Mexiko, plünderte Städte, zerstörte Schiffe, nahm ein Silberschiff zu 700 tons, umsegelte ebenfalls die Erde und kehrte 1588 nach Verlust der beiden kleineren Fahrzeuge zurück (Thomas Cavendish); 1589, außer der Brandschatzung von Bahia ein Mißerfolg; 1593 ging wieder ein Hawkins, Richard, in der dritten Generation, mit einem Schiff von 350 tons zur Westküste Amerikas, plünderte zahlreiche Warenhäuser und machte reiche Prisen, erlag aber schließlich der spanischen Übermacht.

Weit gefährlicher aber als dieses Erscheinen vereinzelter Schiffe an der Westküste Amerikas wurde den Spaniern das Auftreten der Engländer in Westindien und im Atlantik. Der Ausschluß vom Handel in Westindien und die verlockende Nähe der reichen spanischen Besitzungen reizten die englischen Seefahrer, sich für die ihnen entgehenden Vorteile auf unrechtmäßigem Wege durch Wegnahme spanischer Schiffe und Plünderungszüge zu entschädigen. Den ersten Zügen Hawkins' und Drakes folgten andere, Drake selbst brandschatzte 1585 nochmals St. Domingo, Cartagena und die Niederlassungen in Florida. Von diesem Jahre an, in dem sich Elisabeth offen auf die Seite der in Aufstand getretenen Niederlande stellte, war außerdem offener Kriegszustand zwischen den beiden Nationen; man kann nun die englischen Raubzüge nicht gut mehr Piraterie nennen, denn die Schiffe waren mit königlichen Patenten zur Schädigung des Feindes versehen. Drake erhielt als erster ein solches, und Privatpersonen wurden sogar königliche Schiffe zu Kaperzwecken zur Verfügung gestellt. Ganz besonders mehrten sich diese Unternehmungen, als Macht und Ansehen der spanisch-portugiesischen Seemacht infolge der Armadakatastrophe gesunken war und England energisch den Krieg auf dem Meere gegen Spanien führte. Private Züge mit königlichen Patenten und Unternehmungen der Kriegsmarine lassen sich jetzt kaum auseinanderhalten: in den Geschwadern der ersteren werden Kriegsschiffe als Kern verwendet und die königlichen Flotten enthalten wiederum viele, oft sogar in der Mehrzahl, geheuerte Kauffahrer (vgl. S. [133] „England nach Abwehr der Armada“). Auch Englands Ansiedelungsversuche in Nordamerika und Westindien gingen nicht ohne Gewalttätigkeiten ab, so daß um das Ende des 16. Jahrh. Spaniens Seefahrt und seine Kolonien ununterbrochen den Angriffen englischer Einzelschiffe und Geschwader ausgesetzt waren, bis endlich mit dem Friedensschluß 1604 und dem Verbot Jacobs I., spanische Schiffe aufzubringen, wenigstens die größeren Züge dieser Art aufhörten.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrh. beginnen dann aber kaufmännische und kolonisatorische Unternehmungen in Asien und Amerika; so erfolgte das Auftreten der Engländer in Indien und führte trotz des Friedens in Europa zu weiteren Kämpfen mit Portugal.

1587 hatte Drake bei den Azoren einen großen portugiesischen Ostindienfahrer „San Felipe“ aufgebracht, der eine Ladung von 2 Millionen Mark an Wert führte. Aber wichtiger war, daß auf ihm Papiere gefunden wurden, die genauen Aufschluß über die Art des Betriebes des ostindischen Handels sowie über den enormen Gewinn, den er abwarf, gaben; diese Umstände waren ebenso wie Karten und Segelanweisungen der indischen Gewässer von den Portugiesen stets geheim gehalten. Es soll dieser Fund viel dazu beigetragen haben, die Engländer nach Indien zu führen.