In dem etwa achtstündigen Gefecht errang Howard einen kleinen Erfolg; die spanischen Schiffe hatten mehr gelitten, zwei Flaggschiffe waren gar verloren. Wichtiger aber war der moralische Erfolg. Die Engländer sahen ihre Annahmen praktisch bestätigt: ihre Schiffe waren handlicher, ihre Artillerie besser. Die Spanier hatten bei der geringen Inklinationsfähigkeit ihrer Geschütze meist zu hoch geschossen und nirgend den Enterkampf erzwingen können, die Engländer hatten die hohen Ziele getroffen. Wie beabsichtigt, war Howard, der zur Zeit noch nicht einmal alle Schiffe aus Plymouth bei sich hatte, imstande gewesen, abzubrechen und ein allgemeines Gefecht zu vermeiden. Der Mißerfolg wirkte auf die Armada niederdrückend. Wenn auch offizielle Berichte darüber schweigen, so geht es doch aus dem Benehmen einzelner Schiffe Recaldes hervor und tritt auch schon in Privataufzeichnungen zu Tage; auf englischer Seite hob der Erfolg die Stimmung.
Die Armada setzte ihren Kurs fort, die Engländer folgten. Da sie aber in der Nacht die Fühlung unter sich und mit dem Feinde verloren, kam es am Montag den 22. Juli zu keinem Zusammenstoß.
Drake hatte Befehl, während der Nacht am Feinde zu bleiben. Irregeleitet durch einige deutsche Kauffahrer, die er für Spanier hielt, verliert er die Fühlung und dadurch ein großer Teil der übrigen Flotte ebenfalls. Nur Howard selbst bleibt mit einer Gruppe am Feinde; erst am Abend des 22. ist die Flotte wieder vereint. Drake nimmt aber mit einer Gruppe seiner Kauffahrer an diesem Tage die erwähnte „Rosario“, und die „S. Salvador“ wird verlassen aufgefunden; beide werden nach England eingebracht.
Medina ändert an diesem Tage seine Formation. Er bildet aus Vorhut und Nachhut eine stärkere Nachhut unter de Leyvas Befehl, 43 der besten Schiffe, darunter die 4 Galeassen, um so jeden Angriff besser abschlagen und mit dem Gros den Marsch unbehindert fortsetzen zu können. Außerdem befiehlt er allen Kommandanten bei Strafe des Hängens, die befohlenen Posten zu halten. Er sendet Nachricht an Parma über die Position der Armada.
In der Nacht vom 22./23. Juli wurde es fast windstill. Die 4 Galeassen erhielten Befehl, dies zu einem Vorstoß gegen einige von der englischen Flotte getrennte Schiffe zu benutzen. Sie erreichten jedoch nichts, wahrscheinlich aus Mangel an Schneid.
Nach der flauen Nacht sprang der Wind Dienstag den 23. Juli auf NO., als sich die Flotten auf der Höhe von Portland befanden. Nun stand die Armada zu Luward, und Medina hoffte, den Enterkampf erzwingen und dem Feinde einen empfindlichen Schlag zufügen zu können. Während die Engländer manövrierten, um die Luvstellung wieder zu gewinnen, griff er an.
Dienstag den 23. Juli. — Wind NO. Beide Flotten liegen über B. B. Bug. Die Engländer wenden, die Spanier halten zum Angriff ab. Es entspinnen sich verschiedene Gruppenkämpfe. Eine englische Gruppe unter Frobisher („Triumph“ und Kauffahrer), etwas getrennt in Lee stehend, wird hart bedrängt durch die Galeassen, andere englische Gruppen eilen zur Unterstützung herbei, aber auch von spanischer Seite kommt Hilfe. Der wieder auf SO. und dann SW. drehende Wind bringt die Engländer in die Luvstellung, so daß es Howard möglich ist, eine Gruppe der besten Kriegsschiffe in guter Ordnung auf diesen wichtigen Kampfplatz zu führen, und die Spanier müssen, obgleich[128] auch Medina mit einer Anzahl der besten Schiffe seines Geschwaders (Portugal) hier eintrifft, nach mehrstündigem, heftigem Kampfe abhalten. Die Engländer hatten wieder den Enterkampf vermeiden können, aber auch sie hatten diesmal schwer gelitten und waren knapp an Munition geworden. Nach dem spanischen Berichte waren sie es, die das Gefecht abbrachen.
Das Gefecht bei Portland brachte keiner Partei einen taktischen oder strategischen Erfolg; bemerkenswert ist es aber, daß Medina es jetzt doch für nötig gehalten hat, die englische Flotte bei günstiger Gelegenheit schon vor der Vereinigung mit Parma zu schlagen, und seinerseits angriff.
Nach dem Gefechte, das vom Morgen bis zum Abend gedauert hatte, setzte die Armada in guter Ordnung die Reise fort; die Engländer folgten scharf, aber sie unternahmen Mittwoch den 24. Juli, wohl wegen Munitionsmangels, nichts von Bedeutung. Howard teilte an diesem Tage seine Flotte, jetzt wohl 120 Segel stark, in vier Geschwader, unter seinem, Drakes, Frobishers und Hawkins Befehl stehend; auch sandte er kleinere Fahrzeuge und Boote an Land, um von den Küstenkastellen Munition, sowie Leute und Proviant zu holen. Die spanische Nachhut wurde wieder in die ursprünglichen Geschwader Leyvas und Recaldes geteilt. Am Donnerstag den 25. Juli war es fast still, die Flotten standen auf der Höhe der Insel Wight. Um das zurückgebliebene Schiff des Admirals Recalde entspann sich an diesem Tage ein Gefecht, woran sich nach und nach eine große Zahl der größten Schiffe von beiden Seiten beteiligte, so daß es der blutigste der bisherigen Zusammenstöße gewesen zu sein scheint. Dabei waren bei der zeitweilig völligen Stille verschiedene Schiffe genötigt, sich ins Gefecht oder in günstige Windposition durch ihre Boote schleppen zu lassen. Wiederum brachen die Spanier das Gefecht ab, als zunehmende Brise die Aussichten der Engländer erhöhte; auch Howard stand von weiterem Kampfe ab, im Hinblick auf seinen Munitionsmangel und in der Aussicht auf die nun bald bevorstehende Vereinigung mit den östlichen Streitkräften.