Die Abbildung des „Royal Charles“ — englisch, 1673, 100 Kanonen, 130' lang, 46' breit, 20' Tiefgang, 1531 tons, 780 Mann — zeigt im Gegensatz zu „Le Soleil Royal“ kein volles Oberdeck, auch fehlen die Kanonen auf dem Backsdeck. Bilder auf Seite [172].

Verteilung der Geschütze nach Anzahl und Kaliber
(Pfünder=Geschoßgewicht) an Bord der englischen Schiffe.

Im
Jahre
Schiffe
mit
Kanonen
UntersteMittlereObersteAuf
Back- und
Quarterdeck
Besatzung
Batterie
1652100 26–42-Pfdr.28–18-Pfdr.28– 6-Pfdr.14– 5-Pfdr.815
4–18
167726–4228–2428– 916–16815
4– 3
171928–4228–2428–1216– 6780
165290 26–4226–1826– 610– 5730
2–18
167726–3226–2426– 916– 6600
2– 3
171926–3226–1826– 612– 6680
1652(82) 24–4224–1824– 68– 5560
2–18
167780(82)24–3224–1824– 62– 3520
8– 6
1719 26–3226–1224– 64– 6520
1652(74) 26–3226– 618– 5460
4– 3
16777026–3226–1216– 6460
4– 3
1719 26–2426–1218– 6480
1652(58) 24–3222– 610– 5280
2– 3
16776024–2424–1210– 6340
2– 3
1719 24–2426–0910– 6365
165250 20–3218–1610– 5180
2–3
167722–1822– 66– 6240
171922–1822– 916– 6280
165240(42) 280
167720–0918– 94– 3180
171920–1220– 6190
1652(34) 18–3210– 54– 5135
2– 3
16773018– 98– 64– 3130
1719 8–920– 62– 4135
165220 16–324– 5 50
167716–62– 4 85
2– 3
171920–6115
Verteilung an Bord französischer Schiffe um 1683.
1683110 30–48-Pfdr.32–18-Pfdr.28–12-Pfdr.20– 6-Pfdr.1050
10028–3628–1828– 816– 6 800
8828–3628–1826– 86– 6 700
8426–3626–1824– 88– 6 640
7026–2424–1816– 6 450
6024–24 od. 1826–1210– 6 360
5024 od. 22–1822– 84– 6 320
4020–12 od. 820– 6 220
3016– 814– 6 150
„Frégates“ mit 10–22 Kanonen, 4–8-Pfdrn., 40–120 Mann.

Der Hauptfortschritt der Schiffsartillerie lag in der Entwicklung einer planmäßigen Armierung. Mit der Einteilung der Schiffe in Klassen wurden für jede Schiffsgröße Anzahl und Kaliberstärken der Geschütze festgesetzt und hierbei jede Batterie mit gleichem Kaliber bestückt. Diese Anordnung änderte man an der Hand der Erfahrung mehrfach, besonders was die Verwendung der Kaliber anbetrifft. Aus der nebenstehenden Tabelle ist der Verlauf der Entwicklung in der englischen Marine zu ersehen; man kann ferner aus ihr entnehmen, welche Gefechtskraft ein Schiff, dessen Gesamtkanonenzahl angeführt wird, zu den verschiedenen Zeiten des Abschnittes hat. Zum Vergleich folgt eine Angabe der französischen Armierungen um 1683.

Die Tabelle ist zusammengestellt nach Angaben im Clowes, Teil III, Seite 7–11 und im Troude, Teil I, Seite 19–30; dort finden sich noch weitere Aufzeichnungen, da man auch Schiffe mit anderer Gesamtgeschützzahl hatte, als die hier herausgezogenen. Für 1652 und 1677 (1683) sind zum leichteren Vergleich die Geschütze schon als „Pfünder“ angegeben, obgleich noch die alte Bezeichnung üblich war.

Die Angaben für 1652 können keinen Anspruch auf Genauigkeit machen; sie sind wahrscheinlich, besonders die für die großen Schiffe, auf mehr theoretischem Wege gewonnen. Erstens waren damals weder die Schiffsklassen schon scharf begrenzt noch die Armierung planmäßig festgelegt und zweitens gab es nur wenige größere Schiffe; in der Schlacht von Northforeland (1653) werden in der großen englischen Flotte von 105 Kriegsschiffen nur 1 zu 88 Kanonen, 1 zu 66 und 10 zu 50–60 angeführt, und dabei waren die Schiffe bei dieser Gelegenheit außergewöhnlich überarmiert.

Wenn man nun den 42-Pfünder und 32-Pfünder (48-Pfünder und 36-Pfünder) als schwere, die 24-Pfünder bis 9-Pfünder als mittlere und die geringeren Geschütze als leichte Artillerie bezeichnet, so ersieht man aus den Tabellen folgendes. Die Armierung mit schwerer Artillerie fällt auf den kleinen Schiffen (20–40 Kanonen) weg, sobald diese, nach den englisch-holländischen Kriegen (vgl. „Schiffsklassen“ Seite [176]), nicht mehr zu den Schlachtschiffen rechnen, und man geht bei ihnen selbst gleich bis zu den leichtesten Kalibern der Mittelartillerie hinab. Aber auch sonst werden die untersten Batterien leichter bestückt, der 42-Pfünder bleibt nur bei den wenigen Schiffen von und über 100 Kanonen, der 32-Pfünder weicht bei den 60–70 Kanonenschiffen immer mehr dem 24-Pfünder, bei den 50 Kanonenschiffen gar dem 18-Pfünder. Die zweiten und dritten Batterien dagegen werden im allgemeinen mit stärkeren Kalibern versehen und ebenso wachsen die Kaliber der leichten Artillerie, teilweise in die der mittleren übergehend. Die Mittelartillerie wächst also auf Kosten der anderen, namentlich der schweren. Diese, auch in den anderen Staaten vorhandene Tendenz bleibt weiter bestehen; im nächsten Abschnitt verschwindet in Frankreich der 48-Pfünder ganz, dagegen tritt, mit zeitlichen Schwankungen, dort und in England oft der 24-Pfünder an Stelle des 18-Pfünders, der 18-Pfünder an Stelle des 12-Pfünders usw.

Man ersieht ferner, daß sehr schwache Schiffe, hinunter bis zu solchen von 20 und 30 Kanonen, noch zwei Batterien haben, doch ändert sich dies gegen Ende des Zeitabschnittes; im Anfang des nächsten gab es Zweidecker zu 40 Kanonen und darunter nicht mehr. Das 50-Kanonenschiff rechnete noch bis etwa 1750 zu den Schlachtschiffen, dann scheidet es aus der Linie aus; 44- und 50-Kanonenschiffe als Zweidecker werden aber zu besonderen Zwecken noch beibehalten.