„Sieben Jahre!“

„Na — einmal wird auch unsere Geduld reißen!“ sagte der Hauptmann und ging. Hinter ihm war es still. Alle sahen sich an. Diese Art Deutschland kannten sie nicht.

VI.

„Meine liebe Schwester Inge!

Nun liegt Deutschland schon wieder drei Wochen hinter mir! Die alte Hannah Tillesen ist wieder einmal tot, und die höchst respektable Mrs. Higgins sitzt statt ihrer hier bei Mann und Boys auf dieser ehrenwerten Insel.

Ach, Inge... Seit ich wieder hier bin, ist mir Etwas Gräßliches passiert! Stell’ Dir vor: ich finde die Engländer nicht mehr komisch! Ja, Kerlchen, Du lachst! Aber für mich ist’s traurig! Ich habe die Gebrauchsanweisung für das People verloren! Nun fängt es an, mir fürchterlich zu werden...

Inge... Inge... Was mache ich, wenn es Krieg zwischen uns giebt? Ihr drüben denkt natürlich nicht daran. Ihr habt ein reines Gewissen wie die Waisenkinder am Samstag Abend. Liebste Maus, über so was ist man hier weit erhaben. Die Gesellschaft hier ist nachgerade zu Allem fähig. Es ist schamlos, wie sie gegen Euch hetzen. Namentlich mein großer Schwager Higgins in seinen Zeitungen. Dabei ist es so glorreich, einen Baronet zum Verwandten zu haben. Wir liegen vor ihm auf dem Bauch. Dafür sind wir freie Briten. Augenblicklich sitzen wir und lauern wahrhaft angstvoll, ob er uns vielleicht zum nächsten Wochenende nach London einlädt, um einen Blick in die Season zu tun. Oder gar auf seine Yacht zur Kieler Woche? Aber das wär’ zu viel! Der Reverend hat erst in seiner letzten Predigt vor irdischer Vermessenheit gewarnt.

Inge — was stelle ich denn nur hier mit den Engländern an? Wenn man sie erst richtig erkannt hat, wird man an ihnen direkt elend. Drüben im College sitzt mein Mann in seinem Studiencabinet. Er hat augenblicklich eine Laus unter der Lupe, ein ganz verschmitztes Tier, das, ohne selbst dabei krank zu werden, irgend eine Unannehmlichkeit von einem Lebewesen zum andern überträgt. Du, im Vertrauen, die Engländer sind auch nicht viel anders.