„Ich bin wahrhaft betrübt! Wenn die Tochter eines Gelehrtenhauses schon so spricht...“
„Man muß ja so sprechen, wenn man Euch hört! Ihr reizt einen ja dazu!“
„... bisher kannte ich Dich nicht so! Nichts war früher erfreulicher, als Deine Vorliebe für das Angelsachsentum!“
„Ach!“
„Du warst durch die schöne Schule amerikanischer Freiheit gegangen...“
„So?... Na ja...“ „Aber jetzt trägst Du ja förmlich die Pickelhaube auf dem Kopf! Der Militarismus redet aus Dir!“
„Nein. Aber die gesunde Vernunft!“ sagte Inge schroff, trat zum Fenster, wandte ihm den Rücken und blieb stumm. Jerôme K. Higgins saß unbehaglich da. Seine mitleidige und gönnerhafte Vorliebe für verträumte deutsche Winkel und verstaubte Ecken war wieder einmal erschüttert. Immer, wenn er über den Kanal kam, fühlte er mißbilligend die Zeichen einer neuen Zeit, ahnte sie sogar unbestimmt bei seiner frischen, kleinen, blonden Frau, die eben fertig zum Abendfest hereinkam. Es war in ihrer Lebhaftigkeit wie in ihrer Versunkenheit etwas Fremdes, anders als bei ihm und selbst bei den kleinen Söhnen. Das ‚Fatherland‘ wirkte nach. So weiches Wachs, wie er bei seiner Heirat gedacht, war solch ein deutsches Herz doch nicht mehr.
Unter dem Laubdach der Düsterbrookerstraße rollten Autos und Wagen vorbei, schimmerten Marineuniformen und Damenkleider, wurden nach der Stadt zu immer mehr. Plötzlich kam ein Kraftwagen von dort zurück. Raste um die Ecke, die Reventlou-Allee hinauf, zwei Offiziere darin.
„Die haben ’was vergessen!“ sagte Inge Tillesen, die, auf dem Weg nach dem Bahnhof zurück, das Ehepaar zu Fuß bis zur Marinestation begleitete.