„Sie wußten Manches ganz genau! Sie wollten es nur nicht wissen!“
„Gut! Decken wir alle Karten auf! Wenn dem so ist, so habe ich eben mit der Vergeltung gewartet! Erlauben Sie, daß ich mich jetzt revanchiere! Ich erhebe Ihre Nebenbuhlerin zur Königin. Ich entlasse Sie wieder in die Niederungen der Kaffeeröster und Weizenwucherer zurück, aus denen Sie stammen! Glückliche Reise!“
Ein zuckender Vorstoß des hochfrisierten Kopfes drüben wie von einer Schlange:
„Und das befürchten Sie nicht, daß Jene Ihnen ebenso den Laufpaß giebt wie ich?“
„Mir?!...“ sagte Nicolai Schjelting mit unergründlichem Lächeln.
„Nun — ich tat es!“
„Pardon! Ich habe die Brücken abgebrochen. Sie waren zur Versöhnung bereit! Und nun Schluß! Das Übrige zwischen uns ordnet Maître Nicolas. Auch wegen der Erziehung der Knaben. Sie weinen noch immer? Sie erweisen mir zu viel Ehre! Nun, mit Gott!“
Nicolai Schjelting stand vor der in sich zusammengesunkenen und krampfhaft schluchzenden Pariserin mit der Beruhigung der genommenen Rache: mit den Instinkten des Ostens, wie ein Mann des Morgenlands, der seinem Weib den Scheidebrief schrieb, um eine Andere zu ehelichen. Eine brutale Verachtung: Ich verstoße Dich! Nimm Deine Mitgift und geh’!
Vor dem Haustor drehte er sich grausam lächelnd eine Zigarette. Und doch klopfte sein Herz. Leuchteten seine Augen. Er dachte an Wiesbaden. Er dachte an die Welt. Beides verschwamm ihm im Rausch dieser Tage zu Einem. Er sagte sich: Ja. Ich stehe in vollem Brand. Während er dann das Streichholz entzündete, dachte er weiter: Und so setzt man die Welt in Brand! Eines trägt das Andere...
Und heute ist die Antwort Serbiens auf das Wiener Ultimatum fällig...