„Nun ... das weiß der Himmel!“ sagte der Geheimrat. Wieder verstummten die Beiden. Durch das Gebüsch blinkte von der Nachbarvilla des Generals z. D. Isebrink her ein scharlachroter Schein. Ein Diener hängte einen funkelnagelneuen Waffenrock über die Stange und begann ihn auszubürsten. Er hatte bei der Kavallerie gedient. Man merkte es daran, daß er, in seiner blauweiß gestreiften Jacke, abwechselnd den Finnischen Reitermarsch und „Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!“ vor sich hinpfiff.

„Und Phila läßt Du vorläufig auch ruhig in Italien?“

„Na, Du kennst doch Deine Tochter, Schwiegerpapa! Die kriegen doch zehn Pferde nicht aus ihrem geliebten bel paese, wenn sie ’mal wieder glücklich da unten sitzt!“

„Vielleicht kommt sie von selbst auf den Gedanken...“

„Phila und in Italien denken! Da wandelt sie Mond mit offenen Augen. Ißt und trinkt nicht, sondern wird vom Süden satt und kriecht friedlich unter ihr Moskitonetz. Flöhe? Oh bitte: das ist kein Floh! Das ist una pulce! Hut ab vor dem Vieh. Es ist klassisch!“

„Nun ja... Schließlich ist das auch ein Stück unseres Wesens!“

„In Deutschland sollten ’mal in so ’nem finsteren Stinkgäßchen mit darüber gespannten Lumpen solche schmutzigen Bälge sie am Rock zupfen. Die hätten gleich eins hinter’m Ohr. Aber dort... Oh — questa ragazzaglia!... prenda! prenda!... Da habt Ihr, Kinder! Rein närrisch!“

Hugo Martius hatte gelacht. Jetzt wurde er doch wieder sehr ernst. Er sagte, unwillkürlich und halb in Gedanken: „Der Zar, der den Friedenstempel im Haag gebaut hat ... ach wo... Es ist einfach ein Petersburger Bluff... Darin sind die Herren Russen Meister...“ und dann, sich ablenkend: „Wo steckt denn eigentlich Inge?“

„Drüben, im Hotel, bei ihrer amerikanischen Freundin!“