„Das fühlt jetzt Jeder bei uns! Einer wie der Andere. Der Droschkenkutscher da ... oder die Frau da ... oder der Briefträger da ... siehst Du: Ich brauche ihm blos zuzunicken! Da verstehen wir uns schon!“

„Oh — laß doch den Mann aus dem Volke, Inge! Rege Dich nicht auf! Sieh hier! Ich habe eben von Miß Cooper zwei Karten für Bayreuth bekommen! Für übermorgen! Willst Du den Trip nicht mitmachen? Es wird Deiner Konstitution gut tun!“

„Du wirst bald andere Zeichen und Wunder erleben als in Bayreuth!... Leb’ wohl, Ethel!“

Der Händedruck mit der erstaunten Freundin aus Amerika schien Inge wie ein Sinnbild des Abschieds von Vielem in ihr und außer ihr. Sie lachte dabei und hielt den Kopf hoch im Nacken. Es war eine Bewegung von Stolz und Kampflust. Der Ausdruck eines allgemeinen und unermeßlichen Kraftgefühls, das sie jählings auch in sich spürte. Sie ging langsam und straff aufgerichtet durch die Ausländer, die ihr nachstarrten. Daheim setzte sie sich zu ihrem Vater in dessen Arbeitszimmer. Exzellenz Tillesen hatte sonst nie Zeit. Aber jetzt war die große, lähmende Stille vor dem Gewitter. Jedes Wort schien zu viel. Endlich sagte Inge:

„Was ist das nur, Vater?“

„Was denn, Kind?“

„Es ist alles so anders! Die Menschen draußen... Du ... ich...“

„Ja, Inge!“

„Aber wie geschieht denn das?... Es ist sonderbar... Man fühlt sich so leicht ... so befreit... Und dabei schlägt Einem doch das Herz und die Zeit ist doch so furchtbar ernst!“