„Damit kann er freilich noch lange hier ungestört herumlaufen!“ sagte Inge Tillesen entschlossen. „Wo ist denn Ihr Bräutigam?“

„Im Saal drinnen! Er hat sich zu den Schweren Reitern gesetzt!“

„Bitte holen Sie ihn! Ich verliere inzwischen den Russen nicht aus dem Auge!“

„Und dann...?“

„Dann lassen wir ihn verhaften! Ganz einfach!“

Das junge Mädchen drängte sich nach dem Saal. Sie kam nur langsam vorwärts. Inge blieb am Eingang auf Posten. Auf Nicolai Schjeltings länglichen, nervösen Zügen bemerkte sie, während er wieder einen blitzschnellen Seitenblick herüber warf, eine plötzliche Unruhe, dann sah er wieder schweigend und brütend in den deutschen Jubel um sich, die wild erwachte Lust der Lieder und der Waffen, mit einem ungläubigen Staunen im Blick, wie es Inge nie an ihm beobachtet hatte. Sie zitterte vor Ungeduld. Vor ihr schwatzten zwei biedere Münchner beim Bier von den Buren.

„Drüben, auf dem Balkon vom Bayerischen Hof, hat er dazumal gestanden, der Botha. Geweint hat er, der dicke, große Mann! Zweiunddreißigtausend Markl haben’s ihm an dem einen Nachmittag ins Hotel gebracht, die Münchner... Sie, Herr Nachbar, dös haut! Dös war damals um Gottes Lohn. Aber keine Guttat is umsonst: Wenn’s jetzt wirklich mit den Engländern auch losgeht, nachher reden der Botha und die Buren auch ein Wörtel mit!“

„Ich hab’ mehr Fiduz auf die Japaner!“ sprach der Andere. „Die haben’s eh schon im Schwung, wie man d’ Russen drescht! Die haben ’was bei uns gelernt! Klein san’s, aber a Schneid haben’s schon. Na, zur Gesundheit!“

Er hob sein Glas und trank freundlich lächelnd zweien der vielen japanesischen Studenten Münchens am Nebentisch zu. Die gelben Geschöpfe wußten, was sich gehörte. Sie kamen grinsend nach deutscher Art nach. Draußen war wieder Lärm und Jubel. Ein Zug begeisterter junger Leute marschierte vorbei. Sie kamen vom italienischen Generalkonsulat, wo sie Hochrufe auf den Verbündeten jenseits der Alpen ausgebracht hatten. Nicolai Schjelting wandte nachlässig den Kopf nach ihnen. Sein spöttisches, sonderbares Lächeln machte Inge wütend. Wieder spähte sie nach dem Hauptmann. Da ... endlich...!

„Wo ist denn der Verbrecher, Gnädigste?“