Dann, nach einem Schweigen:

„Viel haben wir vor dem Krieg erwogen! Aber vielleicht das Letzte nicht!“

Um sie die fremdartig rotgefleckte, unheimlich wie ein Raubtier murrende Nacht. Morskois Stimme:

„Wie steht’s in Wahrheit? Ist unsere Lage gefährlich?“

„Ja — wenn wir Japaner vor uns hätten!“ sagte der General langsam. „Aber die Deutschen...“

Er stand auf.

„Damals vor zehn Jahren ... in Mukden... Einerlei... Gehen wir schlafen! Wir haben noch ein paar Stunden bis Sonnenaufgang!“

Und nun war Nicolai von Schjelting doch so ermüdet, daß er den Schlummer fand. Träumte. Er stand in der großen Dorfschmiede seines Guts im Twer’schen Gouvernement. Inge Tillesen neben ihm. Es schien, daß sie jetzt seine Frau war. Sie trug nun auch russische Züge. Sie sagte ihm Etwas oder schrie es ihm vielmehr in die Ohren. Er verstand es nicht. Der Schmied machte einen so furchtbaren Lärm beim Beschlag der kleinen Bauernpferde. Es waren mehrere Schmiede. Sie hämmerten durcheinander. Die Ambosse dröhnten, schmetterten, knallten...

Schjelting fuhr empor, angekleidet wie er war, stürzte an das Fenster, riß es auf. Es war ein klarer, blauer Septembermorgen. Und in dieser milden Spätsommerluft zwischen Himmel und Erde ein unsichtbares, stürmisches Leben wie von tausend Geistern. Ein langgezogenes Heulen, zorniges Hämmern, wie von einer Riesenfaust an eine Haustüre, heiseres, metallenes Gelächter, das Gepolter von Fässern, peitschenknallähnliche Töne. Dabei erblickten seine Augen nichts. Die weite Landschaft lag völlig menschenleer, wie ausgestorben, im hellen Sonnenschein. Auch die Züge auf der Eisenbahn verkehrten nicht mehr. Nichts regte sich. Nur da jagte ein reiterloser Gaul die Straße entlang. Er schleifte seine Eingeweide zehn Fuß lang hinter sich her, verschwand taumelnd um die Ecke. Schjelting überwand einen Anfall von Übelkeit... Er nahm seine Mütze, rannte die Treppe hinab. Durch das gespenstig leere Haus. Traf vor ihm Morskoi.

„Wo ist der General?“