„Aber nicht mehr lange...,“ sagte eine tiefe Stimme. Man wußte nicht, woher sie kam. Man drehte sich um. Keiner gab sich den Anschein, als habe er gesprochen. Nur ein Nachhall blieb — eine Erinnerung ... das Bild einer Petersburger Liste, die den Eingeweihten hier von Augenschein vertraut war. Eine lange Reihe von Namen. Und hinter vielen Verdächtigen ein Kreuz: das Todesurteil, von unbekannter Hand...
„...In der Tat... Nichts wird Rußland auf seinem Siegeszug hemmen!“ sagte nach langer Pause der Hofmeister Morskoi. Ein schweres Schweigen antwortete ihm. Es war die Stille der Zustimmung. Schjelting war jetzt ganz fahl geworden. Er nahm die Papyros aus den Lippen, um lauter zu reden.
„Tun wir es aus Liebe zu Deutschland? Wahrlich nicht! Wir hassen es!“
Morskoi sah ihn rasch und zweifelnd an und dachte sich: Solltest Du doch noch am Leben bleiben, Bruder?
„Ich bin klüger, als die Meisten unter Euch!“ sagte Schjelting hochmütig. „Ich sehe sechs Monate weiter! Schreit nur! Ich weiß es. Deutschland ist unser Feind. Aber wir haben einen Schlimmeren!“
„Wo?... Wo?“
„Soll ich ihn Euch nennen? Aber erschreckt nicht...“
Die Türe ging auf. Baumlang, in Khaki, mit frischem Lächeln um die blendend weißen Zähne, glattrasiert, guter Dinge stand da der britische Major der Coldstream-Garde, den Schjelting vom April her aus Paris kannte. Hinter ihm her schlüpfte wie der Mephisto hinter seinem Herrn ein gelbliches, steinern grinsendes Männlein in Feldgelb, der Japaner.
Der Lord drückte den Russen die Hand, daß ihnen die Finger krachten. Er strahlte von aufmunterndem Freimut.