„Euch frage ich nicht! Wo ist der General?“
„Sie wollen trotzdem zu ihm?“
„Ja!“
„Nun denn, mit Gott! Ich begleite Sie!“ sagte Korsakoff ruhig. „Kommen Sie! Wir steigen hier herauf...!“
„Wie das? Vor den Schützengraben...?“
„Man sieht ja nicht zehn Fuß weit im Nebel! Wie sollte der Feind uns bemerken! Vorwärts...“
„Belieben Euer Hochwohlgeboren gut Acht zu geben. Der Weg durch den Drahtverhau ist eng...“
Der riesenhafte Unteroffizier stapfte voraus. Es ging quer wie durch einen schmalen, tief verschneiten Weinberg, dessen Pfähle kahl aus dem Schnee ragten. Schnee hing auch an den Drähten, die sie kreuz und quer verbanden. Dies seltsame, verstrickte Band verlor sich zu beiden Seiten ins Wesenlose des Nebels. Unwillkürlich dachte sich Schjelting: Es reicht vom Njemen bis zu den Karpathen. Es spannt sich von der Schweiz bis zur Nordsee. Nie sah die Welt etwas Ähnliches... Und dann ein Schrecken in ihm: Was tue ich außerhalb von ihm ... da draußen ... im unbetretenen Land ... im schweigenden Reich des Todes zwischen Freund und Feind...?
Und ist da der Platz für einen General...?
Sie waren einen Abhang hinabgestiegen. Hinter ihnen, auf der Höhe des Kammes, zeichnete sich noch unbestimmt der Rand des Schützengrabens ab. Ein paar Pelzzipfel von hohen Mützen bewegten sich unruhig dahinter, als lauerten da Wölfe. Vor ihnen endete die Böschung jäh, in einem senkrecht an der Rückwand einer verlassenen Kiesgrube zehn Fuß tief abstürzenden toten Winkel. Schjelting stand allein mit dem Panslawisten und dem bewaffneten, finsteren Muschik hart an dem Abgrund in dem dicken, totenstillen Nebel. Es schien ihm, als seien die drei die letzten Menschen auf der vom Krieg in Nichts verwandelten Welt. Seine Stimme war plötzlich heiser vor Schrecken.