Heil Dir im Siegerkranz...“
Langsam neigten sich die Fahnen aus der langen Glitzerreihe präsentierter Gewehre vor Kaiser Wilhelm II., der an diesem achten Maitag des Jahres 1914 die Front seiner Truppen im Elsaß abritt. Er hielt den Marschallstab in der Hand. Sein Auge blickte ernst. Preußische Strenge furchte die federbuschumflatterten Generalsköpfe seines Gefolges.
Tiefer senkten sich die Banner vor ihrem Kriegsherrn, berührten mit ihrem meist noch unzerschossenen und unbefleckten Seidengebausch den Rasen. Die Mehrzahl dieser Bataillone war noch jung. Der lange, nun schon fast fünfzigjährige Frieden hatte sie entstehen sehen. Es war nicht Erinnerung an Großtaten, sondern Hoffnung und Bereitschaft vor den Schleiern der Zukunft, was feierlich und brausend aus allen diesen Musikkapellen, zwischen diesem Wall von Mann und Roß aus Erz erklang:
„Heil Dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands,
Heil Kaiser, Dir!“
In weitem Bogen schauten von der Hochlandsburg bis Drei Ähren die Schlösser und Hügel und blauen Höhen des Wasgenwaldes auf die Kolmarer Ebene hernieder. Die Nacht hindurch, den ganzen Vormittag hatte es in den Schluchten der Hochvogesen wie von einem Maigewitter geblitzt und gegrollt. Noch jetzt war dort, gegen die französische Grenze hin, die Manöverübung nicht ganz zu Ende. Da unten aber rückten schon, von der Parade kommend, die Regimenter unter klingendem Spiel in Kolmar ein. Rufacher- und Vauban-Straße, Rapp-Platz und Marsfeld-Wall, Turenne-Straße und Judengasse wimmelten vom bunten Farbenspiel der großen Garnison. Viele Stämme, viele Gauen Deutschlands marschierten da zwischen den mittelalterlichen Häusern der einstigen Freien Reichsstadt. Grüne Rheinische und Mecklenburger Jäger, himmelblaue Kurmärkische Dragoner, blaurote Oberelsässische Infanteristen, graugrüne Jäger zu Pferd, Badische Kanoniere, ernste dunkle Hohenzoller’sche Fuß-Artillerie, Württemberger Fußvolk, Festungs-Fernsprech-Kompagnien, Straßburger Pioniere, das Alles flutete in die offenen Kasernentore, zog durch zum Bahnhof, bildete lange Staubschlangen draußen im grünen Land, wo der Klotz von Breisach trotzig den Übergang über den Rhein bewachte und fern sich das Straßburger Münster hob.
„Donnerwetter, Isebrink!“
„Isebrink als Schlachtenbummler!“