Einer der Neger sprang ins Wasser, watete hinüber und ergriff vorsichtig die abgenagte Fledermaus. Nur das Knochengerüst war zurückgeblieben, nicht eine einzige Fleischfaser hing mehr daran.
„So ergeht es allen lebenden oder toten Geschöpfen, welche diesem Heerwurm in den Weg kommen und ihm nicht ausweichen können,“ erläuterte Holm. „Selbst Elefanten werden von den blutgierigen Käfern angefallen und durch Hineinkriechen in den Rüssel vor Schmerz rasend gemacht. Wirft sich dann das riesige Tier, um seinen Qualen zu entgehen, ins Gras, so nehmen Legionen der winzigen Gegner von dem gestürzten Koloß Besitz, und in längerer oder kürzerer Zeit wird auch er skelettiert. Menschen, die z. B. im Schlafe von dem Heerwurm überfallen werden, sind verloren, wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Kleider rechtzeitig abzuwerfen und, wie sie Gott geschaffen hat, zu flüchten. Dreht sich die furchtbare Kette, durch Hindernisse gezwungen, zufällig im Kreise, so gibt es daraus kein Entrinnen. Sechs bis acht dieser Geschöpfe auf der bloßen Haut genügen, um ein lebendes Wesen zur Verzweiflung zu bringen.“
„Und die greulichen Gesellen fressen nur Fleisch?“ fragte Franz.
„Alle Lebensmittel überhaupt. Eine verwandte Art dagegen zieht das trockene Holz und namentlich das Papier vor. Ganze Bambusgebäude, Bücherkisten und Möbeln verschwinden über Nacht. Diese letztere Sorte bildet die euch dem Namen nach bekannten Termiten, sie marschiert auch in Zügen, aber nur während der Dunkelheit und unter der Erde, indem sie maulwurfsartige Gänge aufwirft. Ferner lebt in den Blättern niederer Bäume eine rote Art, die sich in ganzen Wolken herabfallen läßt, und im Sande eine graue, die von unten her ihr Opfer angreift. Zu dieser entsetzlichen Familie gehört auch die bei uns in Europa leider neuerdings wieder aufgetauchte Wanderheuschrecke. — Termitenbauten möchte ich übrigens doch gern in Augenschein nehmen,“ setzte er hinzu. „Achilles, gibt es hier herum dergleichen?“
Der Dolmetscher nickte. „Es ist ein ganzes unbewohntes Termitendorf in der Nähe, Sir,“ versetzte er. „Wir können es in einer Stunde erreichen.“
„In Papas Museum sind übrigens auch solche Bauten!“ warf Franz ein. „Hast du sie nicht gesehen, Karl?“
„O ja, mein Lieber, aber ebensogut könntest du einen Riesen und einen Zwerg ohne weiteres vergleichen, indem du beide einfach Menschen nennst. Die Exemplare von Termitenbauten, welche Papas Kapitäne ihm für sein Museum aus Afrika mitgebracht haben, sind vielleicht so groß wie ein Wassereimer, die völlig fertigen, bewohnt gewesenen Höhlen dagegen sind höher, geräumiger und besser erbaut als Negerhütten.“
„Man könnte also ordentlich hineingehen?“ riefen voll Neugier die Knaben.
„Das natürlich nicht, ihr Voreiligen! Die Termiten haben sämtliche Gänge für den eigenen Bedarf, aber weniger für die Höhe junger, wissensdurstiger Naturforscher eingerichtet.“
„Freund Achilles,“ setzte er gegen den Dolmetscher hinzu, „könnten Sie mir einen jener Generale, die dort an den Seiten des Zuges marschieren, herüberlangen? Ein recht großes Exemplar möchte ich gern haben und ein unausgewachsenes Junges außerdem.“